Do

19

Dez

2013

Patenkinder

Patenkinder sind großartig. Man kann sie nach Herzenslust verwöhnen, ein wenig erziehen und dann, wenn sie einem so richtig auf den Keks gehen, auch wieder bei den entsprechenden Eltern abgeben. Sie dürfen anziehen, was sie wollen, fast alles machen und auch einer Kassiererin frech antworten: „das ist nicht meine Mama!“, nur, um ganz stolz hinterher zu schieben: „das ist meine Patentante!“

 

Die Kleinen kümmern sich ganz reizend um meine Tochter, umsorgen sie und schauen, dass sie gut schläft, genug zum Spielen hat und nicht von der Couch fällt. Sie lachen mich an und machen Faxen und bewirken, dass ich mit einem fetten Lächeln im Gesicht in den Tag starte.

 

Die Große nutzt die Macht der Medien und schickt mir ein Foto, auf dem sie Faxen mit meinem Wurm macht. Schreibt dazu einfach: „schön war’s“ und erinnert mich an einen tollen Tag im September, an dem wir am Meer saßen, lecker aßen und ein wenig Albernheiten austauschten.

 

Alle drei schaffen es, mir an schlechten Tagen das Lächeln ins Gesicht zu zaubern, was genau dort hingehört – und was ich an heißen, vollgepackten Tagen gern irgendwo verlege…

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Mi

18

Dez

2013

Verwandtenbesuche

Es ist halt schön,

Wenn wir die Freunde kommen sehn. -

Schön ist es ferner, wenn sie bleiben

Und sich mit uns die Zeit vertreiben.

Doch wenn sie schließlich wieder gehn,

Ist's auch recht schön.

Stimmt genau so und kann ich nur unterschreiben. Die Schwiegermutter hat sich für 4 Wochen angekündigt – ich sag noch ganz großspurig: „kein Problem, bleib so lange wie du magst, im schlimmsten Fall sagen wir dir schon, wenn du in ein Hotel gehen sollst.“

Der schlimmste Fall trat an Tag 3 ein, als sie mit unseren Katzen bzw. deren Flöhen nicht mehr unter einem Dach leben wollte. Also wir alle früh am Morgen nach Kompromissen gesucht – die Katzen ziehen unter die Treppe, die Schwiegermutter bleibt. Es hat viele kleinere und größere Kompromisse erfordert, ehe wir uns aneinander gewöhnt und einen Weg gefunden hatten, miteinander umzugehen. Jetzt sind wir in Woche 3, sie bringt das Baby zum Lachen, füttert es mit einer Engelsgeduld und macht sich im Haushalt nützlich. Wir haben unseren Umgang miteinander gefunden und uns fast ein wenig aneinander gewöhnt. Wenn man nicht gegen alles angeht, was sie sagt und die Marotten akzeptiert (so wie sie die unseren akzeptiert), dann ist es sogar angenehm mit ihr. Dann bekommt die Idee eines Mehrgenerationenhauses gleich wieder eine neue Dimension und eine andere Tiefe. War sie am Anfang dieser 4 Wochen eher beängstigend, ist es doch eigentlich auch eine schöne Idee, auf die Erfahrung der älteren Generation zurückzugreifen. Auf die Gelassenheit und die Ausdauer, auf Erfahrungen und die Ideen, auf die Geschichten und die Neugierde. Aber wäre ich denn bereit, mein Leben umzukrempeln und mich komplett auf einen anderen Menschen, der nicht mein Partner ist, einzustellen? Wäre ich bereit, mich so oft zurückzunehmen, des lieben Friedens willen? Hätte ich Lust auf dieses Mehr an Nähe?

Zum Glück muss ich darüber noch nicht nachdenken. Sie steht auf eigenen Beinen und fest im Leben. Aber immerhin sind diese 4 Wochen nun mal ein guter Denkanstoß, wie ich mein Leben gestalten möchte – und wie ich mit der Generation vor mir umgehe. Ich freue mich drauf!

 

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Di

17

Dez

2013

Menschlichkeit

Heute ist mir ein Akt der Menschlichkeit begegnet und ich bin glücklich und sprachlos und frohen Mutes, dass es Menschlichkeit doch noch gibt.

Nachdem in unser Auto eingebrochen und die Tasche meines Babys geklaut wurde, war ich zu Tode betrübt, weil mit ihr auch mein Impfbuch für das kleine Würmlein verschwunden war. Unzählige Telefonate und Behördengänge standen mir bevor, damit ich dieses Buch wieder bekam.

Es klingelte an der Tür und vor mir stand ein Herr mittleren Alters, der mich nach meinem Namen fragte. Ich antwortete ihm wahrheitsgemäß und er drückte mir einen braunen A5-Briefumschlag in die Hand. In ihm befand sich eben jenes Büchlein – er hätte es in seinem Stadtviertel auf dem Müll gefunden und weil seine Tochter ebenfalls ein Kind bekam und ihn auf die Wichtigkeit dieses Büchleins aufmerksam gemacht hatte, rang er sich durch und nahm den Weg zu uns auf sich, um mir eben jenes Buch wieder auszuhändigen.

Ich war so dankbar, ich machte ihm ein Sandwich, einen Apfel und etwas Wasser. Der Mann sah muslemisch aus – ich hoffe, er hat mir mein Schinkensandwich verziehen…

 

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Mo

16

Dez

2013

Arschbacken

„Ich habe nur eine Küche, weil sie mit dem Haus kam“, habe ich heute gelesen und musste sofort an dich denken. Es stimmt schon, die Küche müsste es in meinem Leben nicht geben. Der Kühlschrank könnte in der Wohnstube stehen oder in der Diele und zum warmen Sonntagsessen könnte ich auch zu meinen Eltern gehen.

Seit ich dich kenne, sind Küche und Herd jedoch untrennbar mit meinem Leben, denn du bewegst dich darin wie ein junger Gott. Ich habe nie jemanden kennengelernt, der sich in der Küche so geschmeidig bewegt, wie du. Ist es also nicht glasklar, dass wir uns über Küchenaktivitäten kennen- und vor allem lieben gelernt haben? Beim Plätzchen backen sind wir uns näher gekommen (Teigkneten kann eine so erotische Tätigkeit sein und ich kam mir ein wenig vor, wie Demi Moore in „Ghost“, als Patrick Swayze mit ihr zusammen einen Klumpen Lehm bearbeitet.

Jetzt sind es vier Jahre und ich bin dankbar und glücklich, dass es dich gibt. Ich will dich nicht missen, nicht einen Tag. Nicht dein Lachen, nicht deinen Humor. Deine Arme, deine Wärme, deine Nähe.

Ich bin glücklich und dankbar, wie wir uns jeden Tag aufs Neue füreinander entscheiden. Ich freue mich, dass unsere Lebensplanung in die gleiche Richtung geht und wir uns nicht rechtfertigen dafür, sondern sie einfach leben.

 

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So

15

Dez

2013

Vanillepudding

Es gibt eigentlich nichts, was man mit Vanillepudding nicht wieder richten kann. Ich glaube, in jeder Familie gibt es so ein kulinarisches Wundermittel. Bei uns war es Vanillepudding, am besten noch warm serviert. Der schlimmste Streit wurde damit wieder vergessen – die Röllchen auf den Hüften erzählten einen andere Geschichte, aber ein pubertierender Teenager denkt nicht so weit.

 

Was habe ich mit den Türen geschmissen und geflucht, was habe ich geflennt, weil du mich mit diesen speziellen Klamotten nicht aus dem Haus lassen wolltest. Was habe ich gegen dich gewettert, wenn du eine Bemerkung über meine Haare oder meine Frisur gemacht hast. Was war ich für ein Teenagerscheusal. Und du? Hast es tapfer ertragen, eine Frau in den 30ern mit 2 Kindern war nichts Ungewöhnliches und du hast den Kampf aufgenommen. Hättest du es immer wieder getan, wenn du vorher gewusst hättest, worauf du dich einlässt?

 

Gerade seit ich in der gleichen Situation bin, weiß ich, wie viel Kraft es dich gekostet haben muss. Wie viel Mut du besessen hast, dich mit uns dreien einzulassen. Wie viel Liebe es zu meiner Mutter bedarf, dich eben nicht nur auf die sondern auch auf zwei Halbwüchsige einzulassen, die so ganz anders waren, als deine Tochter.

 

Und jetzt, 25 Jahre später, merke ich, wie du mein Vaterbild, mein Mannsbild sozusagen, geprägt hast. Du würdest dein letztes Hemd für uns geben, trotz all des Mists, den wir verzapft haben, trotz all der Unfairness, die wir dir oft genug entgegenbrachten.

 

Wird man im Alter weiser? Gütiger? Vergibt leichter? Keine Ahnung, auf jeden Fall gehörst du dazu, zu meinem Leben, zu unserem Leben und ich bin dankbar, dass du gekommen und vor allem geblieben bist.

 

 

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Sa

14

Dez

2013

Geschwisterliebe

Bruderherz, warum habe ich heute an dich gedacht? Nun, jemand hat über Einschulung gesprochen und wie er seine kleine Tochter in die Schule gebracht hat und der große Bruder hat ihr gedroht: „wehe, du sprichst mich an. Ich bin nicht dein großer Bruder – außer in Notsituationen.“ Das erinnert mich an uns – und es gab eigentlich nur eine Notsituation, wo mich jemand so sehr geärgert hat, dass du ihn verhauen hast. Ganz der großartige Viertklässler, der du damals warst. Ich wusste immer, dass du auf mich aufpasst und noch heute wachst du über mich.

In weniger als einem Jahr sind wir beide Eltern geworden – und du versorgst mich mit Tipps und deine Frau mich mit Kinderkleidung. So muss es wohl sein und ich wünsche unseren Knirpsen Geschwister, die so eng zusammenhalten, wie wir.

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Fr

13

Dez

2013

Freitag, der 13.

Freitag, der 13. Bis zum Abend habe ich nicht daran gedacht, aber der Blick auf den Kalender blieb mir nicht erspart, als ich die nächste Woche plante. Warum ich dann ausgerechnet an meine Großmutter mütterlicherseits dachte, weiß ich auch nicht.

Sie sagte immer: „wenn’s Arscherl brummt, ist’s Herzerl gesund“ – und vermutlich war es die knatternde Windel meiner Tochter, die mich an meine Omi denken ließ. Fast im Stundentakt konnte ich an diesem Tag die Windel wechseln, voll bis an den Rand. Da freut sich die Industrie, schließlich kurbelt das die Verkaufszahlen an. Die ganze Rechnung, von wegen „täglich bis alle drei Tage Stuhlgang ist normal“, ging bei uns an diesem Tag sowas von nicht auf. Aber ich hatte das Gefühl, dass meine Omi, die leider viel zu früh von uns gegangen ist und noch nicht mal daran denken wollte, dass ich auch eines Tages Kinder haben werde, über meine Schulter schaute und mir diesen tollen Rat gab. Und mit dem Herzen meines Wurmes ist wirklich alles in Ordnung!

 

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Do

12

Dez

2013

Ich hab die Haare schön...

Oh Mann, heute beim Friseur musste ich daran denken, wie ich mir das erste Mal die Haare hab professionell schneiden lassen. Ich war so mutig, es war überhaupt der mutigste Sommer meines Lebens. Vielleicht muss ich dazu ein wenig ausholen. Im Sommer 2000 kaufte ich viele Tickets für den Dresdner Musiksommer und pendelte oft zwischen Berlin und Dresden. Auf einer dieser Fahrten traf ich auf einen dicken Texaner, Tom sein Name. Tom war sehr glücklich, jemanden zu treffen, der a) jung war und b) Englisch sprach und c) sein Englisch verstand. B und C waren offensichtlich im Jahr 2000 nicht weit verbreitet…

Jedenfalls lud er mich ein, sollte mir einmal die deutsche Decke auf den Kopf fallen, zu ihm nach Texas zu kommen. Im Anfall eines Mutes tat ich das auch ein Jahr später – alles, was ich von diesem Kerl hatte, waren seine Adresse und eine Telefonnummer, eine vage Erinnerung an sein Gesicht und die Hoffnung, dass ich nicht einem Triebtäter auf den Leim gegangen bin. Es stellte sich heraus, dass Tom kein Triebtäter, sondern ein ganz hervorragender Gastgeber und vor allem Unterhalter war und wir verbrachten einen super Sommer miteinander, in dem ich lernte, dass Männer und Frauen befreundet sein können, ohne Hintergedanken und ohne, dass etwas sexuelles passiert.

Na jedenfalls stellte Tom mich allen möglichen (und unmöglichen) Freunden vor, unter anderem einem Friseur. Dem statteten wir einen Besuch ab – und ich betrat das wohl schönste Frisierstudio, was ich bisher gesehen hatte und auch danach sehen sollte. In seinem Haus hatte der Friseur eine Art Blumenladen eingerichtet. Selten habe ich eine Innendekoration mit so viel Liebe zum Detail gesehen wie in diesem, von außen völlig unscheinbaren, Haus. Der Raum, in dem er meinen Locken zu Leibe rücken wollte, war ein kleines, feines an Berliner Altbau erinnerndes Zimmer mit Stuck, Barock gerahmten Spiegeln, wilden Kronleuchtern und aus den 20ern stammenden Frisierutensilien. Warum ich mich heute so an diese Begebenheit erinnere, liegt daran, dass ich mich bis aufs Messer blamiert hatte, weil mein Vokabular nicht für diese Alltagssituation ausreichte.

Ich wollte einen stufigen Schnitt und statt „Layers“ (Schichten) bestellte ich beim ihm „Stairs“ (Treppenstufen). Nachdem wir uns darüber hätten wegschmeißen können vor Lachen, erklärte ich ihm, dass er mir bitte des Handtuch fest am Hals schließen sollte, damit auf meinen „BH“ (also ausgesprochen Be-Äitsch) keine Haare kommen. Er schaute mich fragend an und meinte dann: „You don‘t want to have any hairs on your bra?“ Das die Texaner die doppelte Verneinung lieben wurde mir an diesem Tag schlagartig bewusst, aber ich lernte eben auch innerhalb von 5 Minuten gleich 2 neue Vokabeln und muss nun bei jedem Friseurbesuch daran denken, wie ich mich vor meinem ersten professionellen Friseur in diesem Traumhaus blamiert hatte…

 

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Mi

11

Dez

2013

Spotlight

Aus dem Radio dröhnt „Spotlight“ von Jennifer Hudson und ich denke an dich, einfach so, ein kurzer Flash.

Und plötzlich kommen mir zwei Erinnerungen hoch, die dich ins Rampenlicht meines Lebens gestellt haben.

Die erste ist, wie du, ein gut aussehender Hüne mit wehendem Haar auf einem Roller unsicher die kurvigen Straßen Kapstadt meisterst und mir bei der Suche nach meinem pinken Kaschmir-Schal hilfst. Nach 30 Minuten steigst du schweißgebadet ab und schwörst dich, nie wieder auf so ein Teil zu steigen. Nach einigen Überredungskünsten versuchst du es doch noch mal, in einer Tiefgarage, und demolierst den Außenspiegel. Du hast die Nase voll und schwörst, dich NIE NIE NIE wieder auf etwas mit nur zwei Räder zu setzen. Den Schal haben wir nie gefunden – und du hast mittlerweile deinen Motorradführerschein und ein tolles Bike in der Garage.

Die andere Erinnerung ist, wie wir mit deinem Liebsten durch Hamburg fahren. Nach einem schönen, unverhofften Abend bei euch daheim, bringt ihr mich im Cabrio zum Flughafen. Den Koffer habe ich auf dem Sitz neben mir, weil der Kofferraum zu klein ist für mein Riesenmonstrum. Ich lege also lässig einen Arm um meine rote Hartschale, ihr beiden sitzt vorn und Nena trällert laut etwas vom Leuchtturm. Ich denke zurück, wie wir uns getroffen haben, in Kapstadt, 10.000km von hier entfernt und wir beide waren auf der Suche nach der Liebe unseres Lebens. Und wie wir so durch diese Stadt, diese Perle fahren, weiß ich, dass wir sie gefunden haben. Deine sitzt neben dir und die meine schlummert in meinem Herzen und wartet auf mich, dass ich dem Flieger entsteige, zu dem du mich gerade bringst.

 

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Di

10

Dez

2013

I could have danced all night...

Was ein schöner, unverhoffter Abend! Essen, schnattern, ein wenig in alten Zeiten schwelgen. Mir fiel auf, dass du (und noch 3 andere Mädels) die Messlatte für Kollegialität extrem hoch gesteckt habt und dass es eben doch geht, miteinander zu arbeiten und befreundet zu sein.

„Don’t shit where you eat“ habe ich mir immer gesagt und so konnte ich nicht mit Kollegen oder Kolleginnen befreundet sein. Und dann traf ich euch und erinner mich gern an diesen einen Abend, an dem wir eigentlich alle nur mal eben was trinken gehen wollten. Dann sind wir versackt in diesem Schuppen, ich glaube es war das „Pupparsch“ und haben getanzt und gesungen, gegrölt und geflirtet bis morgens um 6. Zum Glück mussten wir alle nicht arbeiten am Tag danach, wir quälten uns alle durch den Tag – und noch oft habe ich euch gedacht und wir ihr mir gezeigt habt, wie falsch ich doch liegen kann. Man kann doch Arbeit und Freundschaft miteinander verbinden.

 

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Mo

09

Dez

2013

Brothers in Arms

Ich kann dich anrufen mitten in der Nacht – auch, wenn du mal gesagt hast, du seist nicht das Fräulein von der Post. Du stehst mir mit Rat und Tat bei Seite, wenn ich dich um etwas bitte, dann ist es erledigt und ich muss nicht mehr nachfragen. Du bist da, ganz einfach, ohne groß Aufhebens drum zu machen und ohne mir etwas aufzurechnen. Schon Dienstag freue ich mich auf Freitag und unser obligatorisches Wochenendtelefonat. Nur das Nötigste – unter einer Stunde kommen wir nie weg. Du bist dann ganz nah, dicht dran, keine 10.000km weit weg. Du bist sowieso da, immer, in meinem Herzen, in meinen Gedanken, in meiner Welt.

Ich denke oft dieser Tages an diesen einen Abend, an dem du eine Horde Teenager vom Ärzte oder Tote-Hosen-Konzert abgeholt hast. Verschwitzte, kreischende, aufgekratzte Mädels und du mitten drin. Du warst nur wenig älter als ich heute und ich frage mich manchmal, wie du dich so gefühlt hast. Hole ich heute Teenager irgendwo ab, dann fühle ich mich selbst noch nicht alt, nicht so erwachsen, wie ich zuweilen scheine. Ich denke oft: „krass, ich kann ja Auto fahren“ und Dinge entscheiden und ich habe eine Kreditkarte und kann abends Nutella essen, ohne mir die Zähne putzen zu müssen.

Wir hörten Dire Straits, 3 Lieder nach dem Einsteigen später und wir waren alle eingeschlafen. „Brothers in Arms“ – das großartige Gitarrensolo aus den Lautsprechern und ich schaute verschlafen zu dir und du hast gedankenverloren mitgesummt und in dem Moment wünschte ich mir, ich würde eine so großartige Mutter und Frau werden, wie du es bist.

Eine, die für ihre Prinzipien einsteht. Eine, die einsichtig ist, neugierig, nicht nachtragend und vor allem lebenslustig. Du warst (und bist) mir nie peinlich. Ich mag deinen Humor, dein Gedächtnis und die Fähigkeit, das richtige zu sagen in jeder Situation!

Und ist es nicht auch passend, dass ich ein Bild von dir an meiner Kühlschranktür habe – wo du doch so gern isst und vor allem dich nicht selbst geißelst.

In Gedanken bei dir bin ich ganz oft!!!

 

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So

08

Dez

2013

Wann wird es mal wieder richtig Sommer?!

...mit dir sind die Tage einfach wie Sommertage. Leicht, unbeschwert. Wir schnattern und schweigen, wir lachen und weinen.

Ob gemütlich spazieren gehen oder Sport machen, ob Illustrierte lesen oder eine intellektuelle Diskussion führen, ob einfach nur dumm quatschen oder die Welt verändern – mit dir ist alles möglich. Wenn wir uns eine Weile nicht gesehen haben, knüpfen wir da an, wo wir aufgehört haben und es ist egal, ob es 3 Tage, Wochen oder Monate sind.

Am liebsten denke ich an dich an Dienstagen. Wie haben wir es nur geschafft, so oft an diesem Tag die gleichen Klamotten anzuziehen? Ob Jeans und weißes Hemd, ob Seidenrock und Feinripphemd – stilistisch haben wir unseren eigenen Weg und doch kreuzen sie sich gern und immer mal wieder. Schön, dass du jetzt wieder da bist. Ich habe dich vermisst! Der Sommer kann kommen.

 

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Sa

07

Dez

2013

Zum Beispiel letztes Jahr im Sommer...

...ich weiß zwar nicht, was du letzten Sommer getan hast, aber ich weiß, was ich letzten Sommer tat. Letztes Jahr um diese Zeit zeugte ich das Kind, was nun an meinem Busen nuckelt. Die Pille loszuwerden war nicht schwer, wir haben sie feierlich verbrannt und was vorher eher Spaß und Zeitvertreib war, bekam nun eine andere Bedeutung. Und ich weiß auch noch, wie ich meinen ersten Schwangerschaftstest kaufte und ihn dann auf dem schäbigen Klo im Berliner Europacenter durchführte. Er war negativ und obwohl meine Reise ins Mutterdasein erst gestartet hatte, war ich durch und durch von einer tiefen Traurigkeit erfüllt. Mein Partner, mein Freund, mein (Lebens)Gefährte, der Vater meines zukünftigen Kindes – wie sagt man denn zu jemand, der einem so viel mehr bedeutet, als all diese Begrifflichkeiten? – na, ER jedenfalls war ebenfalls traurig und geknickt. Wir machten weiter, ließen uns nicht beirren und siehe da, einen Monat später wollte es uns gelingen und wir schenkten der Welt einen neuen Erdenbürger. Was anfänglich aussah wie ein kleiner Astronaut, eine Bohne mit Armen, ein kleiner PittiPlatsch wuchs uns schnell ans und ins Herz. Jetzt krakeelt es nachts und meckert über Tag und lächelt und pupst und rülpst und strampelt und entdeckt die Welt wir sind trotzdem hin und weg. Seit 5 Monaten schon und wir fügen jeden Tag eine neue Perle auf der Perlenkette des Lebens hinzu. Wie sehr sich die Welt ändert, das Leben, was wir führ(t)en, das wollte ich nicht so recht glauben und muss nun, nach 5 Monaten jedem, der mir das gesagt hat, Recht geben. Das Leben ändert sich, die Welt steht Kopf, meine Prioritäten verschieben sich und Dinge, die mir früher wichtig waren, sind nichtig und klein und andererseits gibt es Dinge, die mich maßlos aufregen, die mir früher am Arsch vorbeigegangen sind (noch darf ich so was schreiben, noch liest mein Kind nicht mit). Mein Kind. Wie sich das anhört. Meine Tochter. Neulich fragte mich ein Freund, nachdem ich den Wurm zu Bett gebracht hatte, wann denn meine Tochter nun das nächste Mal etwas zu trinken haben wolle. Es hat eine Weile gedauert, bis ich merkte, er meint mich. Und mit meiner Tochter meint er den Wurm, der in seinem Bettchen lag und nichts von Schlaf wissen wollte, sondern sich lieber erneut in Endlosschleife eines meiner schlecht gesungenen Kinderlieder antun wollte. Und als mein Bruder mir neulich erklärte, dass unser Neffe nicht mit auf eine Ü30-Party gehen könne, weil er eben noch in den 20ern ist und nach seinem Ausweis gefragt werden würde, da war auch ich ganz empört und fühlte mich gleich angesprochen. „Ich kann da auch nicht hingehen“, sagte ich. „Warum?“, fragte er mich zögernd, wollte wohl wissen, ob ich keinen Babysitter gefunden habe. „Na, weil ich auch unter 30 bin“, erwiderte ich und fing mir einen vielsagenden Blick, den sich wohl nur Geschwister zuwerfen können. „Ist klar, kleine Schwester“, sagte er und strich mir brüderlich übers Haar.

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Fr

06

Dez

2013

Knecht Ruprecht

…wenn ich aufgestanden bin, lauf ich schnell zum Teller hin, lustig, lustig, tralala, heut ist Nikolausabend da.

Wenn ich an Knecht Ruprecht denke, fällt mir als erstes der Hund von den „Simpsons“ ein. Der hieß auch Knecht Ruprecht und war so ein windschnittiger kleiner Brauner. Als ich dann mal die Geschichte des Knecht Ruprechts nachlas, erkannte ich, dass es sich um einen eigentlich recht bösartigen Gesell handelt, der in der Geschichte seinesgleichen sucht und mit allerlei, vor allem lustigen, Namen behaftet war.

Hier der Auszug, der so bei Wikipedia zu finden ist: Während der eine [Nikolaus, Anm. des Bloggers] als Himmelsbote agiert, steht der andere [Knecht Ruprecht, Anm. des Bloggers] als Höllenvertreter oder geradezu „gezähmter Teufel“, der die drohende und strafende Rolle übernimmt. Während im ausgehenden Mittelalter der Name „Knecht Ruprecht“ noch lange nicht überall bekannt war, sondern jeweils nach den örtlichen Befindlichkeiten Belznickel, Beelzebub oder einfach nur schlichtweg Teufel genannt wurde, geht die Bezeichnung Knecht Ruprecht auf Figuren aus dem Alpenvorland oder aber aus Thüringen zurück und verbreitete sich so zur mittlerweile bekanntesten Figur.

Jacob Grimm meinte, dass Ruprecht – wie der Name – auf das althochdeutsche hruodperaht ‚Ruhmglänzender‘ und damit in die Nähe des germanischen Gottes Wotan verwies oder dass er Diener (Knecht) der Göttin Holle war. In der heutigen Forschung werden solche etymologische Herleitungen verworfen. Man geht vielmehr davon aus, dass der Name auf Brauchfiguren aus dem Alpenland verweist. Die Herleitung aus rûhperht ‚rauhe Percht‘ beinhaltet eine Verbindung zu winterlichen Umzugsgestalten, die vorwiegend an Epiphanie auftreten. Eine Verbindung besteht in Gestalt der Frau Perchta. Allerdings lassen sich genauere Herleitungen aufgrund der Quellenlage nicht bestätigen.

Die verschiedenen Gestalten des Knecht Ruprecht haben ihren Ursprung im spät¬mit¬tel¬al¬ter¬lichen Kinderschreck. Seit dem 16. Jahrhundert, verstärkt im 17., kursierten Flugblätter mit Schreck-figuren, die als zusätzliches Mittel der elterlichen Erziehung die Kinder zu Frömmigkeit mahnten. Am häufigsten verbreitet war der Kinderfresser, wie er beispielsweise heute noch als Kindlifresser an einem Brunnen im schweizerischen Bern zu sehen ist. Die Figur geht auf eine im 16. Jahrhundert in Italien entstandene Vorstellung zurück, in der der Teufel die Seelen der Sünder verschlingt. Der Kinderfresser, oftmals auch in Begleitung einer Butzenbercht, drohte den unfrommen Kindern in grausamen Versen, sie mitzunehmen, aufzuschlitzen, bis aufs Blut auszupeitschen oder gar aufzufressen. Wie Knecht Ruprecht trugen beide Figuren, der Kinderfresser und die Butzenbercht, einen großen Sack oder Korb, worin sie die Kinder zu stecken versuchten. Auf Grund dieser Verhältnisse ist der Weg insbesondere der Butzenbercht zum Knecht Ruprecht nicht weit, entstammen beide der Gattung der Perchten. […]

Ich meine, bei den amüsanten Bezeichnungen, Gattungen und Namen braucht es zum Nikolausfest doch eigentlich nichts mehr außer einem guten Kaffee, einem Schokoweihnachtsmann und einer guten Lektüre, oder? Da sind der Spaß, die gute Laune und das Lächeln im Gesicht doch vorprogrammiert. Lustig, lustig, tralalalala…

 

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Do

05

Dez

2013

Guck mal, mit ohne Zähne...

…kennt ihr noch den Witz mit dem Fahrradfahrer? Der fährt nur mit der linken Hand am Lenker und ruft: „guck mal, ich kann einhändig fahren!“ Dann nimmt er beide Hände vom Lenker weg und ruft: „guck mal, mit ohne Hände!“ Und dann legt er sich so richtig auf die Fresse und lispelt: „GuckmamitohneSähne“.

Du und ich, wir könnten uns weg schmeißen vor Lachen darüber. Mit dir kann ich noch immer so richtig albern sie damals, als wir uns das erste Mal auf der Schulbank trafen. Wie an dem Tag, als wir zusammen auf dem Fahrrad durch einen Wald gefahren sind und uns auch so richtig auf die Fresse gelegt haben. Jedes Mal beim Beinerasieren denke ich daran – noch heute habe ich eine lange dunkle Narbe von diesem Ausflug auf dem Knie.

Oder weißt du noch, als Helge Schneider sein neues Album raus brachte und wir bei dir auf dem Fußboden lagen und uns immer wieder „Es gibt Reis“ angehört haben? Wir starrten an die Decke und lauschten und auf einmal fängst du an zu lachen und rufst „dat sind Schuppen, Alter!“. Noch heute grinse ich vor mich hin, wenn ich daran denke.

Du bist so viel mehr für mich – und doch ist es das, worauf ich immer wieder zurückgreifen kann. Dass du und ich einfach so herrlich albern sein können.

 

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Mi

04

Dez

2013

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad...

…naja, nicht wirklich, aber sie könnte es. Meine Oma ist cool. Frau Holle kann einpacken gegen meine Oma. Friss Dreck, Frau Holle!

Warum meine Oma so cool ist? Weil sie lacht wie ein kleines Mädchen. Sie kichert, so richtig doll. Meine Oma erinnert an eine Märchenoma.

Wenn ich an Oma denke, dann habe ich zwei starke Erinnerungen (neben ganz vielen anderen).

Die eine ist, wie ich mit Oma vor ungefähr 15 Jahren zum Ballett gehe in die Komische Oper in Berlin. Wir haben uns beide raus gebrezelt und stehen an der Reling in der ersten Etage. Wir haben beide einen Sekt im Anschlag und schauen uns die anderen Menschen an. „Guck mal die“, sagt Oma und zeigt auf eine Dame, die offenbar gerade beim Friseur war und sich in ihr bestes Kleid geworfen hat. Irgendwas an der Dame ist eigenartig – es ist ihr Gang und die Farbe der Haare. „Die ist viel zu alt für so ein Kleid“, sagt Oma und meint die Knielänge. Das Kleid endet knapp überm Knie. Omas Kleid ist etwas länger. Die Dame ist nur 2 Jahre jünger als Oma. Wir haben gekichert wie kleine Mädchen über diese „alte Tante und ihre verwurschtelte“ Garderobe.

Die andere Erinnerung an meine Oma ist, als ich zwei Wochen bei ihr gewohnt habe. Ich war 14, bestes rebellisches Teenager-Alter und jeder andere dachte: „Ach du Schande, du Arme!“ Ich aber empfand es als Segen bei Oma zu sein. Wir spielten Kniffel bis spät in die Nacht, morgens vor der Schule machte sie mir heiße Schokolade und wartete immer mit dem Mittag auf mich. Trotzdem ich tun und lassen konnte, was ich wollte, behandelte ich meine Oma immer mit Respekt und Anstand. Als ich eine Freundin zu Besucht hatte, machte Oma uns extra Blechkuchen. Die Freundin sagte: „deine Oma ist wie aus einem Märchen.“ Meine Märchenoma.

 

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Di

03

Dez

2013

Berlin - Alexanderplatz

Warum ich mich an diesen einen Abend in Berlin erinnere, weiß ich auch nicht. Du bist so viel mehr für mich, mein Zuhause, meine Heimat, du bist mir die engste Freundin, die ich habe und hatte. Mir ist nichts peinlich, ich kann dich alles fragen, zu jeder Tag- und Nachtzeit. In der „Grey’s Anatomie“-Sprache wärest du meine Person. Die eine! Die einzige!

Und doch erinnere ich mich so lebhaft an diesen einen Abend mit dir. Wir haben uns beide „rausgebrezelt“, das haben wir doch sonst nie gemacht? Ich kann dir nicht sagen, welche Jahreszeit es war, ich würde vermuten, es war Herbst, sonst hätten wir nicht diese drastischen Maßnahmen ergriffen. Wir stehen also auf dem Bahnhof „Alexanderplatz“ und sehen gut aus. Ich muss kotzen (warum eigentlich? Kann mich nicht mehr erinnern.) Irgendwie beschließen wir, dass Ausgehen eine schlechte Idee ist und wir lieber zu dir nach Hause gehen du es uns dort gemütlich machen. Dort angekommen, macht uns dein Vater Heiße Schokolade und wir schauen irgend einen Mädchenfilm und futtern Milchschokolade mit Knusperflakes. Und schnattern bis zum Morgengrauen.

So bist du für mich. Abhängen, gemütlich sein, Familie, zu Hause sein. Wir können auch anders, wir können auch schick, aber wir müssen nicht. Wir müssen uns nichts vormachen und finden uns am besten mit Jogginghosen mit ausgebeulten Knien und Lockenwicklern, GALA-lesend auf deiner Couch, deine Tochter passt auf meine auf und stellt sicher, dass es uns an nichts fehlt.

Heute musste ich auch an den Sommer in Italien denken. Andrea Bocelli bis zum Abwinken und dein Lachen und deine langen braunen Haare habe ich ihm Ohr und im Kopf. Dieses goldene Licht und dein fröhliches Lachen! Bis dahin hattest du mir nie Tränen gezeigt und ich habe mir damals gewünscht, dass wir uns so nahe kommen, dass ich auch diese Seite von dir kennenlernen darf. Mit dir ist das Leben nicht prätentiös, nicht glamourös, es ist, was es ist. Prall, voll, laut und lachend, wunderbar und eine Aneinanderreihung von schönen Momenten. „Ein Potpourri der Emotionen“ würde man im Fachjargon sagen – und genau das ist es, was ich an dir so mag!

Als ich eure Trauzeugin sein durfte, fühlte ich mich geehrt und ich glaube, ich habe noch nie ein Paar so strahlen sehen, wie euch! Im Kreise eurer Liebsten – und das waren nur 12 Leute! Wie wunderbar und konsequent, wie traumhaft schön und einfach, wie liebevoll und mit Herzblut dieser Tag gestaltet war. Wenn ich mal heirate, dann so! Und dass ich eine so wichtige Rolle spielen konnte, hat mich geehrt und gefreut und war vielleicht irgendwie selbstverständlich und doch nicht ein bisschen vorhersehbar!

Ach du, mein Mensch, meine Person. In Jogginghose und Plüschpantoffeln schreibe ich diese Zeilen, denke an dich und bin dir dabei so nah.

 

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Mo

02

Dez

2013

Schwesternschaft

Hätte ich eine Schwester, so würde ich mir eine wie dich wünschen.

Du bist inspirierend, eroberst lächelnd die Welt. Selten habe ich jemanden wie dich kennengelernt. Und das Beste daran ist, dass wir uns trafen, als wir beide eigentlich schon aus dem Freundinnen-machen-Alter heraus waren. Und wir hatten uns beide nicht auf dem Zettel, und irgendwie ist es dann doch passiert.

Ich fand dich toll und sexy, dein Lachen hat in mir nachvibriert, deine Locken, Mrs Goldylocks, wirbelten durch meine Welt. Du bist nicht schön im klassischen Sinne, aber schön wenn du lachst und dich bewegst, wenn du denkst und wenn du weinst.

Dass man uns zum Beispiel als letzte aus Bars kehren musste, werde ich nicht vergessen. Und wir wunderten uns noch, warum um uns herum die Stühle hochgestellt werden, mitten in der Woche, kurz nach Mitternacht. Wir bekamen nichts mit, weil wir in Gespräche vertieft waren. Über Gott und die Welt, im wahrsten und reinsten Sinne des Wortes. Seit ich dich kenne, weiß ich, dass ich glauben kann, ohne an Gott zu glauben. Dir habe ich provokante Fragen stellen können und du bist nicht zurück geschreckt, hast dich nicht gescheut, mir zu erklären, wie das funktioniert mit der Religion bzw. den Religionen. In gewisser Weise hast du mich missioniert.

Und ich dich – wie du an deine Grenzen stößt, Dinge tust, die früher undenkbar waren. Wie du dich geändert hast, verändert, nicht unbedingt zu einem besseren oder schlechteren Menschen, aber einfach weiter entwickelt. Und nur, weil du nicht hier bist, bei mir und meinen Alltag mit mir bestreitest, heißt das nicht, dass ich nicht an dich denke, dich in meinem Herzen trage und du nicht bei mir bist. Du bist bei mir, oft genug und ich höre dein Lachen und sehe deine Locken, deine grünen Gummistiefel und deinen ungewöhnlichen Kleidungsstil. Deine Mammutschichten im Büro und deine Tauschgeschäfte – all das wohnt in mir, ist ein Teil von dir und von mir und du bist mir eine wahre Schwester!

 

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So

01

Dez

2013

Life is short, but sweet for certain

Ich habe Tickets ergattert. Für die Dave Matthews Band. Ich denke an dich, den ganzen Abend lang. Ich trage dich im Herzen und erinner‘ mich daran, wie du mich an diese tolle Musik gebracht hast. Because life is short but sweet for certain.

Wenn das Saxophon singt, denke ich jedes Mal an dich und frage mich, wo du wohl gerade steckst, was du machst und wie es dir geht. Wie geht es dir?

Ich war dir vielleicht nie die Freundin, die du gern gehabt hättest. Aber ich war dir eine Freundin, in irgendeiner Art und Weise, sonst wären wir nicht immer wieder in tollen. Lustigen Situationen gelandet.

Ich war nicht da, als du deinen Sohn bekamst. Ich habe dir nie die Fragen gestellt, wie man sie als Freundin sicherlich stellen sollte.

Wie war die Geburt, wie hast du die ersten Monate erlebt, wie fühlst du dich als Mutter? Erst seit ich selber eine bin, interessiere ich mich dafür.

Egoistisch von mir? Vielleicht. Ignorant? Auch, sicherlich. Aber anders war mir das gerade nicht möglich, in dem Moment. Erst jetzt verstehe ich dich in vielen Dingen, dass du es anstrengend gefunden hast, mit Kind und Kerl. Dass die ersten Monate so anders sind als alles, was du dir vorgestellt hast. Besser, schlechter, anstrengender, intensiver.

Und jetzt sitze ich da, am anderen Ende der Welt und höre diese wundervolle Musik, diesen Teppich aus Saxophon, Geige und Gitarren, den Drummer, der sein Instrument verprügelt und es klingt so sanft in meinen Ohren.

Es erinnert mich an einen Abend im Februar bei dir daheim, nach viel Alkohol haben wir meinen offensichtlichen Liebeskummer ertränkt – und den deinen, von dem wir beide nicht wussten, dass du ihn hattest.

Ich erinnere mich an den Tag, Jahre vorher, als du mir ein Blatt in meine Schambehaarung rasiert hast.

Ich erinnere mich an einen Abend auf dem Weg zum Cake-Konzert, als wir deinen und meinen Wohnungsschlüssel in deiner Wohnung vergessen hatten und bei deinem Bruder schliefen – in den ich nicht ganz so heimlich verknallt war.

Dass ich mich nie melde, heißt nicht, dass ich nicht an dich denke. Dass du so wenig von mir hörst, heißt nicht, dass ich dich nicht im Herzen trage. Dass unsere Wege nicht mehr parallel laufen, heißt nicht, dass sie sich nicht wieder treffen.

Vielleicht ist das der Anfang?

 

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Fr

29

Nov

2013

Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt...

Vor 2 Wochen ist mein Großvater gestorben und ich bin traurig. Obwohl er sich genau an meine Anweisung gehalten hat („du kannst machen was du willst, aber vorher möchte ich dich noch meinem Kind vorstellen“), bin ich traurig. Ich habe eigentlich ein entspanntes Verhältnis zum Tod. Er kommt ohnehin, man kann es nicht vermeiden. Bei manchen Menschen denke ich oft, es ist zu früh. Als der Vater meiner Freundin starb, Mitte 40, im besten Alter und sie noch keine zarte 20 Jahre jung. Als ich hörte, dass der Bruder einer anderen Freundin vom Auto erfasst wurde und er auf der Stelle starb. Der Knabe ist keine 16 geworden.

Mein Großvater hingegen ist 93 geworden. Ein Mann, der sein Leben gelebt hat, einen Krieg und die kaum weniger anstrengenden folgenden Jahre überlebt hat. Der drei Söhne groß gezogen, fünf Enkelkinder und acht Urenkelkinder in den Armen gehalten und liebkost hat.

Mein Großvater war ein starker, stolzer Mann. Ein Patriarch im klassischen Sinne. Wenn er etwas sagte, dann horchten alle auf, die Söhne, gestandene Männer, alles Ingenieure ebenso wie die Enkelinnen und Enkel.

Ich höre meine Großmutter, wie sie ein Gespräch mit einer befreundeten Dame wiedergibt und es klingt wie einer dieser klassischen Witze:

Treffen sich zwei Damen. Sagt die eine zur anderen: „Und, was sind ihre Söhne geworden?“ Sagt die: „alles Doktoren! Ich wünschte, sie hätten was Richtiges gelernt. Ingenieur zum Beispiel!“ Darauf meine Oma: „Sehen Sie, meine Söhne haben auch nichts Richtiges gelernt! Sind alles Ingenieure und ich wünschte, wenigstens einer wäre Doktor.“ Mein Opa konnte sich darüber immer so richtig ausschütten vor Lachen und dabei würde sein dicker Bauch vor Lachen beben und seine Brille auf der Nase wackeln.

Ach ja, die Brille. Bei jedem Besuch habe ich sie geputzt und manchmal lagen zwischen meinen Besuchen wenigstens 6 Monate. Die Brille sah aus, als hätte sie auf mich gewartet. Ebenso wie der Großvater – und seine buschigen Augenbrauen, die ich ihm immer gestutzt habe.

Die Einkäufe habe ich den beiden gemacht. Die Butter bei Netto gekauft, das Konfitüre und den Saft bei Lidl, die Brötchen immer bei einem bestimmten Bäcker und den Aufschnitt nur frisch beim Metzger. Das Restgeld durfte ich behalten und habe es vor allem in der Vorweihnachtszeit für Pfeffernüsse ausgegeben. Noch heute begrüßt mich Oma damit, wenn ich zwischen September und Dezember zu ihnen komme.

Beim letzten Besuch jedoch musste ich schlucken. Der Krebs hat meinen Großvater gezeichnet, das ehemals runde, volle Gesicht war eingefallen, die Wangenknochen stachen hervor. Was sagt man zu jemandem, mit dem man immer gut auskam, mit dem man sich immer gut unterhalten konnte und dem eigentlich alles gesagt ist? Wie verabschiedet man sich, wenn man weiß, dass es das letzte Mal ist? Ich war nicht tapfer, ich hatte Tränen in den Augen und mein Kind hat geschlafen. So sind sein 5. Enkelkind mit dem 8. Urenkel zur Tür hinaus ins Leben getreten, während Opa darauf gewartet hat, dass dieser lange Weg ein Ende nimmt.

Warum bin ich also traurig? Ich weine wegen meiner Großmutter. Ich vergieße Tränen wegen der tragischen Schönheit, die ihre Liebesgeschichte hat. 80 Jahre lang kennen sich die beiden, 70 davon fast Tag und Nacht zusammen.

Und was macht Oma? Nach dem ersten Schock wird die Bude umgestellt und sie bestellt sich eine neue Couch. Lieferzeit 8 Wochen. Meine Oma ist 91.

 

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Di

26

Nov

2013

Krümel und Meersalz

Eben noch lief ich in Chucks durch meinen Kiez und heute fühle mich nicht dazu gehörig. Warum? Was war passiert?

Ich bin hier groß geworden, aufgewachsen, ein Stück weit erwachsen geworden. Ich habe 19 Jahre und länger in dieser Ecke der Stadt verbracht, in der sich graue Fassaden an bunte Steine reihen, in der sich Restaurants und Kneipen mit tollen Namen wie "Torpedokäfer" oder "Meersalz" an einander reihen. In einer Ecke der Stadt, wo die Blumen, ganz klar, bei "Frau Rose" gekauft werden und Frida Kahlo nicht nur eine Malerin ist. Ich bin hier weg seit 10 Jahren und doch erkenne ich das Muster der Strasse wieder. Die Hunde sind die gleichen, die jungen Kerle, die mir mit ihren schlacksigen Schritten entgegenkommen, die Mädchen, die Hornbrillen mit Fensterglas tragen, nur, weil es schick ist.

Ich habe mittlerweile nicht nur einen Bauch, so wie fast jede 2. Frau, ich habe sogar ein Kind und einen dazugehörigen Kinderwagen. Ich weiß, was ein Tragetuch ist, die Firma „Hoppediz“ sagt mir was, ich kenne die Unterschiede zwischen den einzelnen Windelmarken und dass mein Kind keine Bübchen Wundcreme braucht. Die Penaten-Cremedose, die ich geschenkt bekam, als ich im 6. Monat schwanger war, nutze ich für mich selber und meine Klamotten haben einen Eingriff, damit ich mich zum Stillen nicht nackig machen muss. An sich gehöre ich also voll dazu, voll hinein in diesen Kiez, in den Prenzlauer Berg des Jahres 2013 – und trotzdem fühle ich mich nicht dazugehörig. Können die anderen Mütter, die schwatzend und Kaffeetrinkend am Spielplatzrand sitzen, sehen, dass ich nicht hier wohne? Kennen sich die Kids untereinander so gut, dass sie mich und meinen Zwerg nicht mal mit dem Hintern anschauen? Ist der Name zu einfach, um auf dem Spielplatz gerufen zu werden? Ich habe mich nun mal gegen einen Doppelnamen mit Bindestrick entschieden, ganz bewusst. Ich habe bewusst auf alte traditionelle Namen zurückgegriffen, zum einen, weil ich sie schön finde, zum anderen weil ich mir eben keine 50jährige Chantalle oder eine 70jährige Yekta vorstellen kann.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich, selbst, wenn ich hier wohnen geblieben wäre, nicht mehr dazugehören würde. Weil ich eben nicht in bin, nicht hip, nicht besonders und schon gar nicht so „wertvoll“, wie es die Menschen im Prenzlauer Berg gern wären. Diese unterschwellige Wut, die Aggression, die sich im Miteinander wiederspiegelt, vor allem in Telefongesprächen, von denen der Mann am Nachbartisch zum Beispiel nicht denkt, dass jemand es mitbekommt. Diese Erwartungshaltung ans Leben und an die anderen, an die Regierung und vor allem an den Partner – wo kommt die her? Und ist das nur ein Phänomen des Prenzlauer Berg oder ist das mittlerweile überall so? Oder kommt mir das nur so vor, weil ich eben wirklich nicht dazu gehöre? In ist, wer drin ist. Und ich bin sowas von nicht drin…

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Mi

20

Nov

2013

Zellteilung - Zahnlose Minka

Heute Morgen begrüßen mich 2 Ärmchen, die sich fröhlich aus dem Bett strecken. Dazu ein Lächeln, das schönste auf der ganzen Welt. Das sagt jede Mutter über das Lächeln ihres Kindes – was passiert, wenn eine Mutter 2 Kinder hat? Mir ist das egal am frühen Morgen, ein neuer Tag steht bevor.

Also, normale Morgenroutine, Windel der Nacht ausziehen, ein wenig flirten und mit den Beinchen wackeln, Stillen. Bäuerchen, Windel noch mal wechseln, weil nichts so großartig ist für dieses Kind wie in eine frische Windel zu kacken. Dann liegt es auf dem Rücken und erzählt mir was, für 1 Stunde oder so. Langsam fängt es an, sich wieder die Augen zu reiben – aha, denke ich, ganz die erfahrene Mutter, Kind wird müde. Juchu, denke ich, dann kann ich gleich duschen in aller Ruhe und mich für den Tag fertig machen. Also noch ein wenig Kind bespielt, Augen werden weiter gerieben, nicht ohne vorher mit den kleinen Fäustchen noch mal herzhaft durch den Mund gegangen zu sein. Ich wundere mich über die Menge Spucke, die heute aus meinem Kind kommt und nehme es als weiteren Schritt in der Entwicklung hin.

Zur „Morgenschläfchenzeit“ wird noch mal gestillt, das Kind schläft an der Brust ein und Erleichterung macht sich breit. Wenn es jetzt schläft, dann habe ich ca. 2 Stunden danach für mich. Also alles ganz in Ruhe angehen lassen, ein fast schlafendes Kind ins Bett gelegt und dann – nichts. Strahlendes Lächeln, mit viel Spucke und müden Augen. Vor allem aber keine Spur vom Schlafenwollen. Also Kind wieder raus aus dem Bett, mit in die Dusche genommen. Dann ab zum Frühstücken, dort hat das kleine Monster mit den kleinen Augen und dem riesigen Lächeln alle Menschen verzaubert. Mittlerweile ist es 6 Stunden wach, ich höre Babyratgeber aufjaulen und mich als schlechte Mutter bezeichnen. Wie kann man nur!? Vor allem, was mich am meisten wundert, sind diese 6 Stunden, die mit Faust im Mund verbracht worden.

„Es wird doch nicht zahnen?“ fragt mein Mann. Wird es? Mit 16 Wochen, also noch nicht mal ganz 4 Monaten? Ich werde nicht (ausnahmsweise mal) im Internet schauen, ob das sein kann. Ich werde mich nicht verrückt machen, ich bin ja vorbereitet. Nun ja, fast, immerhin habe ich einen Beißring im Kühlschrank. Panik macht sich breit. Was, wenn es heute Nacht passiert? Der Zahn durchbricht? Das Kind Fieber bekommt?

Gleich, wenn das Kind schläft, werde ich Zahngel kaufen. Und mittlerweile ist das Kind eingeschlafen. Und ich habe Zeit für mich…und schreibe Zahngel erst mal auf die Einkaufsliste.

 

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Sa

16

Nov

2013

Zellteilung - Ich hab' getanzt heut' Nacht

So, gestern auf der Piste.

Heute? Kopfschmerzen. Durst. Ich bin müde – fühle mich wieder wie zu den Zeiten, als mein Wurm noch gaaaanz klein war und auch nachts alle 3 Stunden gefüttert werden wollte. Oder unterhalten. Oder Windeln gewechselt. Egal, Hauptsache Muttern schläft nicht aus.

Ich habe zwei Gläser Schampus getrunken und zu jedem Glas einen halben Liter Wasser. Ich habe eine Flasche Wasser im Auto geleert – sowohl auf dem Hin-, als auch auf dem Rückweg. Ich habe vorschriftsmäßig einen Ausweis dabei gehabt (den keiner sehn wollte) und bin vor Mitternacht nach Haus zurückgekehrt. Weil ich Angst hatte, dass ich mich zurück in ein Aschenputtel verwandeln würde und mein Auto zum Kürbis wird?

Nein.

Weil ich das Gefühl hatte, nicht dazu zugehören.

Und das lag nicht daran, dass ich Mutter bin. Oder underdressed war (war ich nicht, mit meinen hohen Hacken und meiner langärmeligen, aber durchsichtigen Bluse hatte ich zwar mehr an, als die meisten Mädels des Abends). Oder nichts getrunken hatte (was nicht stimmte, immerhin schwirrten die 2 Gläser Schampus ordentlich in meinem Kopf herum).

Der Grund, warum ich mich nicht zugehörig fühlte, liegt wohl eher darin, dass ich mich dem Partyvolk nicht zugehörig fühle. Junge, langhaarige, langbeinige Blondinen, die mit der Kreditkarte ihres Vaters wedeln. Junge Kerle, nur wenig älter als die Mädchen, die mit den Autoschlüsseln namhafter Markenwagen wedeln. Und ich mittendrin. In Klamotten, in denen ich schon vor Jahren Kerlen den Kopf verdreht habe. Mit einem Autoschlüssel, dem man sofort ansieht, dass er einen Familienwagen öffnet. Ich sah die Menschen wie durch eine milchige Brille an. Sie hatten kein Interesse an mir, ebenso wenig wie ich an ihnen. Jegliche Möglichkeit zur Unterhaltung wurde aber auch von den lauten Bässen unterbunden, die durch den Club hallten.

Ich konnte mich davon abhalten, alle 5 Minuten auf mein Telefon zu schauen und nach dem Rechten sehen zu wollen. „Die kommen schon ohn uns klar“, schalt mich meine Freundin, doch auch sie lugte immer wieder auf ihr Handy. Leider konnte nicht mal wir beide uns unterhalten, selbst als wir dicht an dicht standen. Die Musik war einfach zu laut. Aber man geht ja nicht zum Quatschen in einen Club. Wir haben also ganz tapfer ein wenig unsere Hintern zum Takt der Clubmusik bewegt – und das hat uns beiden gut gefallen und gut getan. Jedoch mussten wir bald kapitulieren. Die Schuhe waren ungewohnt hoch, wir suchten uns also ein Plätzchen, was etwas stiller war. Die Stühle waren jedoch so tief, dass man mit hohen Schuhen drauf sitzend die Knie hinten den Ohren verknoten konnte. Blieb also nur stehen. Wer aber kann denn auf schwindelerregend hohen Absätzen länger als eine Stunde stehen? Ich jedenfalls nicht und so stahl ich mich nach guten 2 Stunden davon.

In die Arme meines Familienwagens. Ich machte den Fehler und schaltete das Radio an. Bibi Blocksberg flog mir um die Ohren – ich hatte vergessen, die CD auszumachen. Soviel zu „ich vergesse dann mal, dass ich Mutter bin.“

Würde ich es wieder tun? Jederzeit.

 

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Fr

15

Nov

2013

Zellteilung - Ausgehen

Heute Abend geh ich aus.

 

Dies wird ein schwieriger Moment, denn ich gehe das erste Mal aus, seit ich Mutter geworden bin. Eigentlich wollte ich allein gehen, aber dann sah ich meine Freundin an, auch fast zur gleichen Zeit Mutter geworden wie ich.

Sie wollte ebenfalls gern, hatte aber nicht den Mut zu sagen: Los geht's.

Also nahm ich sie an die Hand und sagte es zu ihr. „Aber wir bleiben nicht lange“, sagte sie und sprach damit aus, was ich dachte - und gleichzeitig ärgerte ich mich über die Einschränkung, der wir uns im gleichen Moment hingaben. Mein Freund ging fast an die Decke, als er das hörte. Er schimpfte wie ein Rohrspatz, dass wir uns nicht selber gleich so einschränken sollten und dass wir, wenn wir Spaß hätten, durchaus auch nach Mitternacht nach Hause kommen dürfte – wir würden uns schon nicht in Kürbisse oder Mäuse verwandeln…

 

Seit fast einem Jahr war ich nicht mehr aus. Und schon gar nicht allein. Halt, das stimmt so nicht, immerhin war ich im Februar beim Karneval in Rio. In mir schlummerte die 6-Monatsversion von dem Wurm, der mich jetzt allabendlich wach hält.

Der dafür sorgt, dass ich für zwei denke.

Der dafür sorgt, dass ich eben nicht nachts um die Häuser ziehe.

Der dafür sorgt, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich ihn mal für eine Stunde vergesse, weil ich mich einer Massage oder Akkupunkturnadeln hingebe.

 

Der Abend in Rio war denkwürdig. Ich stand in weißen Jeans und einem Bikinioberteil und einer Maske in einer Masse von Schwulen, die in wilden Kostümen Karneval, vor allem aber wohl sich selbst, feierten. Mein Bauch wölbte sich in den Raum und ich kam mir so fehl am Platz vor, dass ich nach kürzester Zeit die Reise ins Hotel angetreten hab.

 

Heute Abend aber wird es anders sein. Ich habe das Gefühl, dass ich mir diesen Abend verdient habe.

Dass ich eben mal nicht Mutter bin, als solche gesehen werde oder denke.

Dass ich als Frau angesehen werde und mich auch dementsprechend herausputze. Kein Still-BH, kein Kleidungsstück, was nach gegorener Milch riecht. Ich muss nicht darauf achten, dass mein Top sich leicht öffnen lässt, damit der schreiende Zwerg seinen Durst stillen kann. Ich muss nicht zweimal überlegen, ob diese Schuhe nicht zu hoch sind, wenn ich den Autositz aus dem Wagen hole und mit dem Kinderwagen über die Promenade schleiche. Ich muss nicht darauf achten, ob meine Ohrringe in Griffweite meines Kindes sind und mir eventuell die Ohrlöcher manuell erweitert.

 

Dieser Abend gehört mir allein, mir als Frau. Auch wenn es vielleicht nur ein Glas Wein ist. Oder eine Stunde.

Aber es ist die erste Stunde zurück zu mir als Frau.

 

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Mo

11

Nov

2013

Zellteilung - Angst

Woche 15 - ich und meine Ängste

 

Ich bin eigentlich kein ängstlicher Typ. Seit mein Kind da ist, habe ich jedoch viele Ängste. Ich sorge mich nicht so sehr um Babys Wohlergehen im klassischen Sinne, das wird schon. Ich habe aber zum Beispiel eher Angst, dass mein Kind von unserer Terrasse geklaut wird als dass es sich nen Schnupfen holt.

Ich hab Angst, dass mir beim Ausladen aus dem Auto der Hintern abgefahren wird.

Ich hab Angst, dass uns einer was Böses will.

Sagt das was über meinen Charakter (auch als Mutter) aus? Bin ich so von mir selber überzeugt, dass ich glaube, mein Kind vor den kleinen "Gefahren" des Lebens schützen zu können, aber dass es die großen sind, die mich einschüchtern, weil ich keinen Einfluss darauf habe?

Ich gebe wenig auf Ratschläge, Bücher oder Ängste anderer Mütter. Ich versuche wegzuhören, wenn sie ihre Horrorgeschichten erzählen, von Kindern, die mit zu viel Schmerzmittel behandelt werden oder zum Mittagsschlaf durch Schlafmittelchen „gezwungen" werden. Ich versuche, mich freizumachen von den „du musst" Sprüchen und suche meinen eigenen Weg - dem, der für mein Kind und mich am besten passt. Meistens ist dies jeden Tag sowieso ein neuer - auch, wenn man konsistent bleiben soll und immer wieder die gleiche Methode anwenden soll - wenn es heute klappt, muss es morgen noch lange nicht funktionieren und je mehr ich darauf dränge, konsistent zu sein, umso verspannter werde ich und auch mein Kind und dann wieder ich und dann wieder das Kind - und dann kommt die Angst wieder. Dass ich es nicht richtig mache. Dass ich nicht gut genug bin.

Und dann hörte ich neulich die Erlösung! Ich muss als Mutter nur 50Prozent richtig hinbekommen - und bin dann noch immer eine gute Mutter.

 

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Mo

04

Nov

2013

Zellteilung - Baby Yoga

14 Wochen - Babyyoga

 

Habe neulich gelesen, dass man bei warmem Wetter so ein Baby auch mal draußen mit nacktem Po strampeln lassen soll. Heute ist der perfekte Tag dafür. Auf der Terrasse also einen Platz im Schatten gefunden, Decke raus, Handtuch drauf, noch eines drauf für alle Fälle, Kind drauf. Super, alle glücklich. Mutter holt sich ein Kissen und Trinken. Super. Scheiße, Buch vergessen. Also noch mal hoch, Kind liegt und guckt, ist glücklich. Buch geholt, hingelegt, Kind plappert. Scheiße, muss pullern. Also noch mal hoch, Kind auf dem Boden, kann nix passieren, hatte ja vorher auch ne volle Buchse. Nach dem Pullern sah ich eine braune Bescherung, nun gut, nicht so schlimm, hab ja extra 2 Handtücher, Kind noch glücklich, also ab ins Kinderzimmer, Feuchttücher geholt.

Dass Kinder sich bewegen, ist klar. Dass also der gesamte Hintern, die Waden und die Füße schmutzig sind, auch irgendwie. Also Kind sauber gemacht, es plappert weiter, alles gut. Alle sauber, ich also Handtuch waschen gegangen. Hänge es auf, komme wieder, Kind hat von vorn angefangen. So weit so gut, war ja jetzt mit Feuchttüchern ausgestattet und hatte ein zweites Handtuch am Start.

 

...dass mein Kind aber in dieser kurzen Zeit eine neue Fähigkeit erwirbt, darauf hat mich keiner vorbereitet. Es kann seit Neuestem seine Füße greifen UND in den Mund stecken...

 

Hoffe, du kannst dir, ohne dass ich detaillierter werden muss, das Ausmaß meiner mütterlichen Freude gepaart mit Angenervtsein, leichtem Ekel und Verwunderung vorstellen.

 

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So

27

Okt

2013

Zellteilung - Lebensretter

Woche 13 - heute: die Abendroutine.

 

Wenn ich nachmittags um 4 nicht mehr weiß, was ich mit meinem Baby machen soll, freue ich mich selber auf die Abendroutine. Baden, Eincremen, mit nacktem Hintern ein wenig zappeln lassen, Schlafanzug an, noch mal füttern, zwei Lieder, immer die gleichen wegen der Routine und dann ab ins Bett. Das ganze Ding durchgezogen in 1 Stunden. Durchgedacht in 10min.

Noch 1 Stunde 50 min.

Ich spiele noch einmal mit dem Elefanten.

Noch 1 Stunde 40 min.

Mein Baby und ich brüllen uns in unterschiedlichen Tonlagen an.

Noch 1 Stunde 30 min.

Ich könnte noch mal Spazierengehen. Bloß aufpassen, dass ich nicht zu spät ins Auto steige, damit es nicht nochmal einschläft.

Noch 1 Stunde 10 min.

Der Spaziergang tut mir gut.

Noch 30 min.

Zurück zu Hause gießen wir gemeinsam die Blumen, dabei singe ich, wegen der Routine gern die gleichen Lieder.

Noch 15 min.

Das Baby reibt sich die Augen. Das Zeichen! Es ist müde! Ich kann mit dem Baden anfangen. Lasse also langsam Wasser in die Wanne laufen, während das Baby auf dem Boden liegt und strampelt. Über ihm bunte Tierchen, die im Wind wackeln.

Noch 7 min.

Nehme das Baby und laufe langsam auf die Wanne zu. Starte mit der Routine, lasse mir aber beim Eincremen mehr Zeit. Oh oh, Fehler, das Baby wird munterer. Naja, gleich beim Stillen an der Brust wird es schon schlafen.

Oh oh, es will an der Brust einschlafen. Sanft wecken, damit es fuer die Lieder noch wach ist und im Bett zur Ruhe kommt.

Puh, es liegt. Es schreit. Ich lasse es schreien. Für so 2 Minuten. Es sieht schon müder, aber auch nasser weil nassgeschwitzt aus. Ich halte die Hand, langsam döst es weg.

Ich gehe aus dem Zimmer, atme ein - und das Baby fängt an zu schreien. Aus vollem Herzen. Halt, nicht aus dem Bett nehmen! Mach ich trotzdem, es braucht offensichtlich Nähe.

2. Anlauf, wieder Lied, wieder ins Bett legen - wieder Weinen. Schlimmer als das erste Mal.

Nach dem 4. Versuch gebe ich auf und drücke das Baby meinem Mann in die Hand, der spielt Computer. Klar darf Baby mitspielen. Das kleine Ding, mittlerweile seit 4 Stunden wach, reibt sich wie wild die Augen. Ich als Mutter hätte gern, dass mein Mann ins Zimmer geht und das gleiche versucht, wie ich. Macht er aber nicht. Bleibt sitzen, mit Baby auf dem Schoss - und das kleine Teil fällt völlig in sich zusammen. Drei Runden Karten später nimmt er das Baby und legt es in sein Bett. Ohne Gesang, Gehuddel und Gefuddel. Ohne Routine.

Ich wunder und ärger mich und bin gleichzeitig glücklich. Soviel zur Routine.

Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

 

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Do

10

Okt

2013

Vorwurfsvolle Blicke

Von meinem Nachttisch aus starren mich vorwurfsvoll acht Bücher an. Sie kehren mir sozusagen den Rücken zu und ich fühle mich schlecht. Wie lange liegen sie schon dort?

Das eine, ein Krimi, wartet bestimmt schon ein halbes Jahr auf meine Aufmerksamkeit.

Dann ist da die Liebesgeschichte, bei der man so richtigweinen kann – O-Ton der Buchhändlerin.

Mein Freund hat mir ein Buch mitgebracht, einfach so, statt Kleid oder Schuhe von einem Shopping Trip. Auf Englisch allerdings. In diesem Buch steckt irgendwo in der Mitte ein abgefahrener Fahrschein – mein Lesezeichen. Ich muss also zumindest schon bis zur Hälfte gekommen sein.

Die leichte Sommerlektüre liegt ganz oben – für die stillende Mutter genau das Richtige. Große Schrift, eine Handlung, die man sich leicht merken kann – aber genau das macht das Buch so trivial. Irgendetwas in mir sträubt sich dagegen, dass ich mich mit Trivialliteratur beschäftige.

Die anderen Bücher sind Elternratgeber, die dürfen halb angelesen irgendwo rumliegen. In einem schmöker ich wirklich ab und an, die anderen beiden sind „nur für den Fall der Fälle“.

Mein Dilemma liegt aber ganz woanders. Darf ich, als Autorin, als Schriftstellerin, als Bloggerin, meine wenige freie Zeit dafür nutzen, selber zu lesen? Oder sollte ich die paar ruhigen Minuten des Tages für Wäsche waschen, aufräumen, Haushaltsarbeiten und an einem super guten Tag sogar für ein paar eigene Worte auf Papier reservieren? Wie machen andere Frauen das, die vor dem gleichen Problem stehen? Nun gut, einiges kann man parallel erledigen. Zum Beispiel in die Badewanne gehen und lesen. Oder in der Badewanne neue Gedanken zu Papier bringen. Oder während des Autofahrens Bücher hören. Oder während der Maniküre neue Gedanken denken. Oder während der Pediküre zu Papier bringen. Aber in den Rechner rein gehackt werden wollen die Wörter dann doch noch von Hand. Von MEINER Hand.

Man könnte sich all die Bücher als Hörbuch antun. Hat nur leider derzeit bei mir den gleichen Effekt wie bei meinem Kind – „Mama, nur eine Geschichte“ – und das Einschlafen ist vorprogrammiert. Ist also selbst bei so beliebten Orten wie dem Auto nicht wirklich praktisch, denn sofort werde ich mit meinen ungelesenen, aber gehörten Büchern zum Verkehrshindernis.

Nachmittags auf der Wiese liegen bietet sich im Sommer ebenfalls für kreative Ausbrüche an. Was mache ich aber meistens? Mittagsschlaf mit dem Kind. Einer der vielen Elternratgeber sagt, dass man seine Energien am besten bündelt, wenn man gleichzeitig mit dem Kind schläft und die Hausarbeit auf Wachphasen legt. Das klappt auch ganz gut – nur will mein Kind mitschreiben, wenn ich es während seiner Wachphase auf meinem Bauch platziere und dann in die Tastatur meines Laptops haue. Eventuelle Schreibfehler sind also nicht mir, sondern meiner Tochter zuzuschreiben.

Ich befürchte, diesem Dilemma werde ich nicht wirklich entkommen. Entweder blicken mich die Bücher an oder aber mein Laptop straft mich mit Nichtachtung, einem aufgebrauchten Akku oder einer Software, die aktualisiert werden möchte und dann das gesamte System lahmlegt – weil ich es so lange nicht genutzt habe.

Die Lösung kam mir gestern bei einer Massage, die ich unter einer Kombination von „kreativer Pause“ und „Schlafen wenn das Kind schläft“ verbucht habe. Ich bin nach Hause gegangen, habe mich ins Schlafzimmer geschlichen und die Bücher einfach umgedreht. Jetzt können sie mit dem Rücken zur Wand vor sich hin schmollen und ich muss mich nicht mehr mit den Titeln plagen. Und schlafe, wenn mein Kind schläft – oder lasse meinen Gedanken freien Lauf.

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So

30

Dez

2012

Ich mache meinen Frieden...

Was ich in diesem Jahr gelernt habe?

 

Dass das Wünschen wieder hilft.

Und dass ich nicht allen gefallen muss.

 

Eigentlich würden diese zwei Zeilen für einen Jahresrückblick reichen. Reicht dir das, lieber Leser?

Nee, ich habe Mitteilungsbedarf und du gerade sooooo viel Zeit, dass wir uns ruhig ein wenig länger miteinander vergnügen können.

 

Also: was ich mir für 2012 gewünscht habe, ist wahr geworden. Wie ich das geschafft habe? Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall habe ich immer fest dran geglaubt. Vor allem an mich und meine Kraft, die in mir steckt. An meine Energie und habe mich einmal für etwas entschieden und bin dann den Weg gegangen, der mich meinem Ziel näher bringt. Wenn eine Kurve auftauchte, bin ich nicht sofort umgedreht, sondern einfach weitergelaufen und habe geschaut, was sich hinter der Kurve verbirgt. An einer Weggabelung habe ich mich bewusst für einen Weg entschieden, wissen, dass ich auch, wenn dies nicht der richtige sein würde, auf jeden Fall die andere Richtung jederzeit einschlagen könnte – und auch würde.

Rückschläge einzustecken heißt nicht zwangsläufig zu versagen. Es bedeutet, sich zu besinnen und einen anderen Weg zu probieren, eine andere Methode. Aber nicht das Ziel aus den Augen lassen – und weitere daran zu glauben.

 

Aber Tante, was waren nun meine Ziele bzw. Wünsche für 2012?

 

Nun, zum einen wäre da mein Buch. 2x den Titel umgeschmissen, nur um dann mit so etwas bescheuerten und unkreativen wie „Schmidt happens“ um die Ecke zu kommen. Und dann bei Amazon.de über Andreas Schmidt zu landen, der mit genau dem gleichen Titel eine CD herausgebracht hat. Hier hätte mir eine Recherche vielleicht gut getan. Aber egal, mein Riesenego war größer als der Zweifel und der Wunsch nach Einzigartigkeit und so verlasse ich mich einfach darauf, dass ein pinkes Buchcover mit grüner Schrift anziehender wirkt als das Cover der Konkurrenz (eine Streichholzschachtel mit nur einem abgebrannten Streichholz) und mir Leser einbringt. In 27 Tagen habe ich es mit wenigen Verkäufen (10 Stück an der Zahl, davon 6 bei Amazon und die restlichen 4 bei anderen Anbietern) auf Platz 91 der Bestsellerliste im Bereich „Humor und Satire“ geschafft.

Aber das sind nur Zahlen – wie fühlt sich das an? Geil. Einfach nur geil, das kann man gar nicht anders sagen und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. Erfolg macht sexy und ich fühle mich wie die Göttin auf dem Olymp. Ich frage mich noch immer, wie ich mich fühlen werde, wenn es denn 100 Verkäufe sind und sich zu dieser Publikation eine weitere und noch eine weitere reiht. Geht es, sich noch großartiger zu fühlen, als ich es ohnehin schon tue? Nun, es kommt auf einen Versuch an…

 

Und zum Anderen? Ja, das andere. Ich wünschte mir ganz doll, bei jeder Sternschnuppe, bei jeder ausgefallenen Wimper ein Kind mit meinem Liebsten. Und siehe da, es sollte mir vergönnt werden. Ich bin im 3. Monat schwanger und werde in 6 Monaten Mutter. Ein spannendes neues Kapitel – über das ich schreiben werde oder auch nicht, das habe ich noch nicht entschieden. Erstmal will dieses neue Wesen willkommen geheißen werden und dann sehen wir weiter. Die Freuden des Werdenden-Mutterseins habe ich glücklicherweise komplett genießen können – ich musste nicht kotzen, mir war nicht schwindelig. Müdigkeit und Lustlosigkeit bestimmten zwar die letzten Wochen, was auch die Gründe für lange Schreibpausen sind, allerdings legt sich das nun langsam wieder und auch die Muse kommt zurück.

Auch hier strahle ich mit meinen mega-blonden Locken um die Wette. Schönes Haar ist mir gegeben – und so träller ich mich ins neue Jahr.

 

Und was hat es mit der Erkenntnis auf sich, dass mich nicht jeder mögen muss? Nun ja, trotz all dem schönen, was mir widerfahren ist in diesem Jahr (und dies waren nur meine beiden Highlights) gibt es doch immer Neider. Solche, um die es nicht schade ist und solche, die man eigentlich gern auf seiner Seite hätte. Und gelernt habe ich, dass eben auch die, die ich gern auf meiner Seite hätte, nicht umkrempeln kann und dass mich eben nicht jeder mag. So wie ich nicht jeden mag. Auch das ist eine gute Erkenntnis und so mache ich meinen Frieden. Für dieses Jahr.

 

Bleib mir treu. Und sei gespannt. Und wünsch dir was! Es wirkt...

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Do

20

Dez

2012

Stille Nacht..heilige Nacht?!

Muss ich mich verrückt machen, eine Nacht vor dem Ende des Maya-Kalenders? Nö, beschliesse ich und denke noch mal an meinen Ausflug nach Coba zurück. Das ist eine mexikanische Stadt, nein, sorry, DIE mexikanische Stadt, wo die Mayas ihren Circle geschrieben habe - und wo der Anfang vom Ende beschlossen bzw. beschrieben wurde.


Was aber, wenn die Jungs einfach keine Steinplatten mehr hatten, um weiterzuschreiben? Was, wenn der Klotz oder Stiessel oder wie das Ding heisst alle war und aufgebraucht? Was, wenn die einfach keine Lust mehr hatten, zu arbeiten, in die nächste Pinte gegangen sind und dann einfach vergessen haben, weiterzuschreiben. Oder denen ist was dazwischen gekommen? Hat da schon mal jemand drüber nachgedacht?

Ich für meinen Teil schon und ich fände es schön, wenn sich morgen etwas ändert. Obwohl sich in meinem Leben zumindest ab dem nächsten Jahr so oder so einiges ändert, mit oder ohne Mayas - aber dazu an dieser Stelle ein anderes Mal mehr.

 

Weil ich aber auch literarisch um die Mayas nicht drum herum gekommen bin, will ich das Ende meines aktuellen Literatur-Babys teilen - wenn ich das Buch dann im nächsten Jahr auf den Markt bringe, dann kann ich mit dem Ende natürlich nicht mehr um die Ecke kommen, weil das Ende einfach total 2012 ist.

 

Hier ist es also...

 

Ach so, da der Anfang noch nicht klar bzw nicht veröffentlich ist, hier eine kurze Personeneinführung:

Hiltje (Schlittenbohm), Greta (Kowalski) und Opa (Horst) Klawuttke sind, neben anderen, Einwohner in einem Seniorenheim, in dem ein Bankräuber gefunden wird.

Schwester Inrgid fängt mit dem eine Liaison an.

Angelika Liebling ist die Leiterin vom Heim und die Mutter von Schwester Ingrid, was aber keiner weiss.

 

Mehr Details und Verstrickungen gibt es dann im fertigen Roman…

 

 

Ende – Version 1 (für die Weltuntergangstheorienliebhaber)

Langsam und bedächtig schoben sich die Damen in den Speiseraum, den die Pflegerinnen liebevoll hergerichtet hatten. Passend zur Weihnachtszeit hatte Schwester Ingrid den Baum geschmückt, in diesem Jahr waren die Kugeln ganz besonders schön gewienert und auf Wunsch eines einzelnen Bewohners – Terror-Horst, wie er mittlerweile unter dem Pflegepersonal genannt wurde, weil Ingrid ihre Klappe nicht halten konnte – hatten die Damen der Residenz „Regenbogen“ auch extra langes Lametta eingekauft und auf den Baum gelegt.

Jeder Tisch beherbergte ein Weihnachtsgedeck mit einem bunten Teller, auf denen sich Lebkuchenherzen, Dominosteine und von Frau Liebling selbstgemachte Plätzchen tummelten. Die mit Kokos waren am leckersten und demzufolge auch schnell alle. Unter den Bewohner wurde diese Plätzchen dann immer wie Gold gehandelt und gegen andere Leckereien eingetauscht. Hoch im Kurs standen die verbotenen Weinbrandbohnen, die Gretas Kinder einschmuggelten, es wurden aber auch gern gegen „Edle Tropfen in Nuss“ oder „Mon Cheri“ getauscht. Wichtig war, dass alles unter Ausschluss des Pflegepersonal stattfinden musste und so traf man sich meistens abends nach dem alljährlichen Weihnachtscanasta im Vorraum des Speisesaals um die alkoholischen Schätze gegen Kokosplätzchen zu tauschen. Dass man Frau Liebling auch einfach fragen konnte, mehr von den Kokosdinger zu backen, stand irgendwie außer Frage.

Nachdem sich alle hingesetzt hatte, was natürlich nicht ohne lautes Geschnatter, Stuhlgescharre und Gehhilfengeknarre von statten ging, wurde mit viertelstündiger Verspätung der Abend gestartet. Auch diese gehörte irgendwie zum Weihnachstcanasta dazu und de Abend eher beginnen zu lassen stand auch ausser Frage.

‚Es gibt eben Dinge, die ändern sich nie’ dachte sich Angelika Liebling, als sie das kleine improvisierte Podium betrat, welches die Pfleger in der Mitte des Raumes aufgebaut hatten.

„In dem Kleid sieht die aber vielleicht fett aus“ flüsterte Hiltje Greta zu.

„Muss wohl. DU könntest die sonst auf die Entfernung nicht sehen“ flüsterte Greta zurück und fing sich dafür einen bösen Blick ein.

„Na warte, dir erhöhe ich den Einsatz für die Kokosplätzchen auf 3 Mon Cheri und 2 Tropfen in Nuss“ zischte Hiltje zurück.

Greta zog einen Schmollmund und versuchte, ganz angestrengt lauschend zu wirken. ‚Die sieht aber wirklich fett aus in dem Kleid. Ein hellblauer Traum aus Rüschen und Tüll. Unglaublich, dass die heutzutage noch so etwas verkaufen’.

Angelika Liebling hörte diese Konversation nicht. Sie war viel zu aufgeregt und der Zettel, mit ihrer kleinen Rede, flatterte in ihrer Hand.

„Liebe Insas.. ähm, Bewohner unserer schönen Ansta… ähm Residenz „Regenbogen“. Wir haben uns heute hier versammelt um, ähm, ja warum eigentlich“ angestrengt suchte sie den roten Faden in ihrem Stichpunktgewühl „ach so, ja, um mit Ihnen, liebe Bewohner und Bewohnerinnen unsere alljährliches Canastaturnier zu begehen. Ich möchte aber vorher noch eine Bekanntmachung, ähm, machen. Ingrid, Ihnen vielleicht besser bekannt als Schwester Ingrid, wird…“

Die Uhr schlug 20.15. Prime Time.

Plötzlich Stille. Finsternis. Und dann?

Nichts.

Die Maya hatten recht.

 

***

 

Ende

 

***

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Di

13

Nov

2012

Freundinnen müsste man sein...

Ich habe den Sonntag verpasst. Ich habe wirklich den Sonntag verpasst! Und wenigstens eine wird gaaaanz böse sein mit mir, dreht sich doch ihre Woche immer um den Sonntag und meinen Blog. Und meine Ausrede? Ich habe keine. Nicht mal das. Einfach aus dem Kalender gefallen, der Sonntag. Unglaublich.

Und heute? Lasst uns mal annehmen, heute ist Sonntag. Dann könnte ich jetzt wieder schreiben. Puh, gerettet. Aber worüber? Z.B. wie es sich anfühlt, noch 32 zu sein, während meine beste Freundin schon in den Zenit der 33 eingetreten ist. Nämlich heute.

Diese Zahl kann man von vorne wie von hinten lesen. Ich glaube, das nennt man Anagram. Von vorne wie von hinten A-N-N-A. Und Max Herre lässt seine Locken für uns kreisen.


Julchen, Sonnenschein soll es von den Dächern regnen und Regenbogen sollen ihre Haken schlagen auf deinen Wegen. Schmetterlinge flattern wo du gehst und stehst und Blumen sollen blühen, wo du gehst.

Und weil mir für alles andere die Worte fehlen, heute ausnahmsweise, bediene ich mich an einem alten Kindergedicht, aus den Tagen, noch ehe wir unsere Zahnspangen trugen – kannst du dich erinnern?

 

Freunde sind wichtig zum Sandburgen bauen

Freunde sind wichtig wenn andere dich hauen

Freunde sind wichtig zum Schneckenhaus suchen

Freunde sind wichtig zum Essen von Kuchen.

Vormittags, abends, im Freien, im Zimmer…

Wann Freunde wichtig sind?

Eigentlich immer.

 

Alles Gute zum Geburtstag, my Pimpi!

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So

04

Nov

2012

Alte Leute vögeln nicht

Sie hiess Julianá. Mit einem Akzent auf dem letzten Buchstaben. „Der wird dann beim Sprechen genauso betont, wie mein Hinterteil“, pflegte sie immer zu sagen.

Heute stopfte sich Julianá Salatblätter zwischen ihre noch immer schneeweißen Zähne. Ihr Dentalchirurg war eindeutig besser als meiner. „Emma-ken“ sagte sie, als ob wir noch immer 9 waren und miteinaner Chinesisch Tischtennis spielten. „Emma-ken, ich mache mit. Deine Idee ist verrückt und das macht sie so einzigartig. Aber nur unter einer Bedingung.“ Ich ahnte Schlimmes. Salatsoße troff auf ihr faltiges Dekollete.

„Ich steh auf Analsex. Das gehört einfach zu meinen Sexpraktiken dazu. Das muss in der Stellenbeschreibung für unseren Zivi stehen. Wir besorgen uns doch einen Zivi, oder?“


Mein Name ist Müller. Emma Müller. Ich werde nächste Woche eine WG für meine alten Freunde gründen. Und mit alt meine ich alt. Das Jahrgang 1932 klingt fern, und das ist es auch. Und doch ist es das Jahr, in dem wir alle geboren worden sind. Wir alle sind um die 80 Jahre alt und haben die Blüte unseres Lebens schon hinter uns. Das zumindest meinen unsere Kinder. Unsere Enkel (so es denn welche gibt) finden uns noch ganz spritzig, wenn wir uns zum Weihnachtsfest den Sekt hinter die Binde und über die Bluse kippen. Ich für meinen Teil habe mir zu meinem 80. Geburtstag nur eines gewünscht: nur noch ein paar lebenswerte Jahre. Zu diesem Zweck habe ich mir ein Haus gekauft, finanziert durch einen Banker, der auf mein fast faltenfreies Dekollete und meine noch immer blauen Augen reingefallen ist. Oder auf meine Enkelin. Ich musste 3x unterschreiben und zappzarapp, hatte ich wunderbar viel Geld in der Tasche um mir eine traumhafte Villa im Nobelviertel der Stadt zu kaufen. Die letzte frei verkäufliche, wohlgemerkt. Direkt an einem See gelegen, eine grüne, langweilige Oase, mitten in der Stadt. Nun brauchte ich nur noch ein paar lebenslustige Menschen zu gewinnen, die bei der WG mitmachen wollten und die fetten Jahre konnten kommen.


Warum ich ausgerechnet mit Julianá angefangen hatte, weiß ich auch nicht mehr genau.

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So

28

Okt

2012

Liebes Leben, dank...

Wie funktioniert das eigentlich mit der Familie? Sucht man sich die aus? Schon wenn man ein kleines Etwas ist? Oder erst, wenn man größer ist und entscheiden kann, mit wem man sich abgibt?

 

Gestern erst hatte ich ein schönes Gespräch mit meiner Mutter und meinem Bruder. Mein Neffe ist ja nun auf der Welt und ich freue mich und bin mindestens genauso euphorisch wie er selbst. Wird mich das kleine Bündel Mensch mögen? Als Tante annehmen oder mich total bescheuert finden? Ich für meinen Teil kann ja nur sagen, dass ich mich klasse finde, so wie ich bin. Ich hätte gern eine Tante wie mich, nicht zuletzt, weil ich im Ausland wohne und man mit mir und meinem Wohnort so prima angeben kann. Man kann Ferien planen und Safaris ausmalen – auch, wenn die vielleicht niemals stattfinden würden.

 

Aber wie sucht man sich denn aus, wen man mag und wen nicht? Kinder machen das ja schon in frühen Jahren, die wollen der doofen Oma mit dem Mundgeruch keinen Kuss geben oder bei dem doofen Onkel auf dem Schoß sitzen. Die wollen mit dem verrückten Onkel durch die Stube toben und dass er Pferd mit ihnen spielt. Und die tolle Tante darf dann Tiere füttern im Park und einen feuchten Kehricht darauf geben, dass sie eben noch Absatzschuhe trug.

 

Als großer Mensch hat man es dann einfach, da sucht man sich dann aus, mit wem man gern zusammen ist. Wer einem „liegt“ und mit wem man gut reden kann. Vielleicht auch, mit wem man gut schweigen kann, wer zum toben geeignet ist und vor allem, wer seine Geheimnisse bewahrt.

 

Ich bin glücklich, dass meine verloren geglaubten Freunde wieder zurückgekehrt sind und wieder Teil meines Lebens sind und dass ich auch mit meinem Bruder wieder einen engen, innigen Kontakt pflege.

 

Hätte ich mich also meine Familie ausgesucht?

 

Meine verrückte Mutter, die noch immer gern schützend die Hand über mich legt, wenn die Welt mir Unheil will und der Menschheit ins Gesicht brüllt: lass mein Kind in Frieden?

Meinen verrückten Bruder, dem ich trotz meiner 3 Jahre Altersunterschied immer voraus war in Sachen „Vernunft“ und „Leben in den Griff bekommen“ und der mich nun nicht nur eingeholt hat, sondern mir einen Weg zeigt, nachdem ich mich insgeheim schon lange sehne?

Meinen Stiefvater, der seit mehr als 20 Jahren eine Vaterfigur für mich darstellt und der es einfach akzeptiert hat, in den Arm genommen zu werden, obwohl er das aus seiner Kindheit nie kannte? Dessen Geschichte mittlerweile jeder meiner Freunde kennt (in welchem Örtchen er schon an welchem Baum gepinkelt hat und wo er Urlaube mit nem Bierchen und nem Schnaps hat ausklingen lassen?)

Meine Omi, die leider viel zu früh gegangen ist und die ich nie richtig kennenlernen konnte, die ich aber als große, stolze und schöne Frau in Erinnerung habe und die es noch immer schafft, mir Tränen der Zuneigung in die Augen zu treiben, egal an welchem Ort der Welt ich bin, ohne, dass ich jemals an ihrem Grab stand?

Ihr Mann, mein Opi, der auch hohen Jahren noch gereist ist und sich von mir hat Karten schicken lassen in Englisch und Französisch, damit er nicht einrostet?

Oder meine Großeltern väterlicherseits, die mir durch ihre schräge Art und ihre 67 Jahre Ehe Ideen für meinen neuesten Roman gegeben haben?

Mein Lieblingsonkel mit seinem absoluten Gehör, der Waldhorn geblasen hat in irgendso einem Orchester (Berliner Symphoniker? Berliner Philharmonieorchester?), der mich seit Tag 1 meines Daseins auf dieser Erde als „Zuckerpuppe“ kost und mich selten anders nennt (ob er überhaupt meinen richtigen Namen kennt?)

Und seine Frau, die nie leidet, die all ihre Krankheiten erträgt, mit Würde und kaum ein Wort darüber verliert.

 

Würde ich all diese Personen so selber wählen? In Momenten, in denen ich fern bin, auf jeden Fall. Da gehen sie mir nicht auf den Keks.

In Momenten, wo wir gerade beieinander waren, lauthals miteinander gestritten, diskutiert und uns wieder vertragen haben, vermutlich nicht. So lange, bis sie im auto sitzen und ich ihnen das letzte „Lebwohl“ winke. Danach vermisse ich sie wieder.

 

Nun also Welt. Ich wählte meine Freunde mit Bedacht, weil sie zu mir passen, weil sie etwas in mir zum Klingen bringen, was ich so nicht habe. Ich vermisste mit ihrem Fernsein aus meinem Leben also auch einen Teil meiner selbst.

 

Schön, dass es euch alle gibt. Schön, dass ihr ein Teil meines Lebens seid.

 

Und kleiner Till, glaube mir, ich bin ne super Tante!!!

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So

21

Okt

2012

Tauschgeschäfte

"Wann kommt die Zeit, ho ho, in der das Wünschen wieder hilft...?" das sangen die Toten Hosen vor Jahren schon und ich fragte mich oft: "und das Tauschen? Was ist eigentlich aus dem Tauschen geworden?"

 

Früher, viel früher, also als das mit dem Geld noch keine Bedeutung hatte, da war Tauschen groß in Mode und man tauschte, was man gerade hatte. Knöpfe gegen Fische. Alte Schuhe gegen ein Stück Brot. Gebackenes gegen ein Stück Tuch, aus dem man dann etwas nähte, was man wieder eintauschen konnte.

 

Schon zu Kinderzeiten habe ich viel mit meinem Bruder viel getauscht.

Dass diese Täusche meistens ungerecht war und es eher in die Richtung ging, dass er mir etwas wegnahm, kam mir erst spät in den Sinn. In meiner kindlichen Naivität glaubte ich, dass er ruhig etwas von meiner Schokolade haben konnte, ich bekäme später schon was anderes dafür.

Denkste Puppe, falsch gedacht.

Zum Ausgleich frass er gern die Hälfte meines Nuttela-Glases leer. Als Tausch habe ich dann irgendwann die Schuld auf ihn geschoben, als ich heimlich die Streuselmeines Geburtstagskuchens genascht habe und ihm die Schuld gegeben hab. Er bekam die Prügel, ich heulte wie ein Schlosshund und seitdem tauschte ich mit ihm nicht mehr.

 

In meiner Teenagerzeit tauschte ich große Münzen gegen kleine Münzen, lief damit zum öffentlichen Münzfernsprecher ans Ende der Strasse und rief meinen ersten Freund an.

Mir Freunden im Ferienlager tauschte ich Adresse und wir danach tauschten wir Briefe aus.

In späteren Jahren hatte meine sehr kreative Freundin Anne mir viele Briefe  und Karten geschickt, auf denen selbstgeschriebene Gedichte standen. Als Tauschangebot wollte sie meinen Freund. Nach zähen Verhandlungen habe ich ihn an sie abgetreten. Die Karten habe ich noch heute, der Freund ist aus ihrem Leben verschwunden. War das nun fair?

 

Später buk ich dann kleinere Brötchen und lernte das Tauschen von einer, die sich damit auskannte: Swoppy genannt - zu deutsch hiesse das "Tauschi", aber das ist wirklich zu bescheuert.

Swoppy arbeitete mit mir ein einem Call Center im Schichtdienst. Wochenenden, Feiertage, Abendstunden.

Sie tauschte ihre freien Tage, arbeitete tagelang hintereinander und flog dann zu ihrem Liebsten. Der unheimlichste Tausch von Swoppy war der 7-Ecken-Tausch. Erst tauschte sie mit mir einen freien Tag gegen eine echt unverschämte Schicht. Arbeiten bis 3 Uhr morgens.  Nun gut, ich bekam dafür einen freien Tag an einer Vorführung meines Lieblingsmusicals "Chicago". Swoppy bot dann meinen freien Tag jemand anders an und arbeitete nun wieder an dem Tag, an dem sie durch mich frei hatte. Dann tauschte sie diesen Tag wieder und hatte wieder frei und tauschte ihn wieder und musste wieder arbeiten...dieses Spiel kann man lange so weiterführen. Das Ende vom Lied war, dass alle 7 Leute, die an diesem Tauschgeschäft beteiligt waren, an diesem einen Abend bis 3 Uhr morgens gearbeitet haben, obwohl ursprünglich nur 3 Personen für die Schicht eingeplant waren.

Wenn man Swoppys Plan einmal verstanden hatte, hatte auch wirklich alles seine Richtigkeit.

Irgendwann war Swoppy dann das Tauschen von Schichten zu langweilig und wir starteten mit dem Tausch von Gegenständen. Wir tauschten Stiftkappen und Lunchboxen, Kleidungsstücke und Musiktipps. Bevor Swoppy mein Leben verliess, tauschten wir ihr Auto gegen meine Wohnung.

Jetzt tauschen wir ab und an E-Mails und liebe Gedanken.

 

Ich tausche noch immer gern, obwohl die Natur meiner Tauschgeschäfte sich gewandelt hat. Ich tausche meinen Süßkram gegen Rettungsringe, die bei anderen auftreten.

Blumen gegen ein Lächeln.

Ich tausche Gefälligkeiten gegen Gefälligkeiten.

Musiktipps gegen schöne Erinnerungen.

All das könnte man auch verbuchen unter "Geben ist Seeliger denn Nehmen" - aber nichts ist schöner als das Gefühl zu haben, für seine Gabe auch etwas bekommen zu haben.Und sei es eben ein Lächeln.

 

Und du? Gibst du noch oder tauschst du schon?

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Fr

19

Okt

2012

Wenn Mutti früh zur Arbeit geht...

...dann bleibe ich zu Haus. Ich bind' mir eine Schürze um und feg die Stube aus."

 

Dies ist ein Kinderlied, was ich gern als kleines blondgelocktes Geschöpf vor mich hin geträllert habe, wenn ich zur Hausarbeit verdonnert wurde. Bei uns war das gerecht aufgeteilt: jeder macht, was er kann. Ich fegte, mein Bruder wusch ab, Mutter hat gekocht und Vater brachte das Geld nach Hause. Nicht immer fand ich das fair...

 

...und heute?

 

Heute ist Mutters Geburtstag, der 60. wohlgemerkt. "Ein stolzes Alter" denkt so mancher - und hat auch Recht. Das sind viele Jahre, in denen Tränen fliesen konnten, Sorgenfalten entstehen, Träume zerplatzen. Bei meiner Mutter ist das anders. In ihren 60 Jahren hat sie das Leben gelebt, voll und ganz, immer ehrlich zu sich selbst und dadurch auch für alle anderen. Mutter hat gesagt, wo die Grenzen sind und diese nie verschoben. Als Kinder wussten wir immer, woran wir sind, wann es Ärger geben würde und wann mit einer einfachen Schimpftirade zu rechnen war.

 

Heute, aus meinen Kinderschuhen entwachsen, finde ich Mutters Verhalten fair.

 

Sie lacht - und wenn sie lacht aus voller Kehle, mit vollem Herzen, mit vollem Körpereinsatz. Wenn Muttern irgendwo ist, dann ist sie da. Sie ist präsent und anwesend, mit Haut und Haar. Sie hält alles zusammen und hat uns Kinder ganz viel Selbstständigkeit auf den Weg gegeben. Doch wenn einer hinfällt und schreit, ist sie wieder da und tröstet, wo Worte von Nöten sind, und umarmt, wo es keiner Worte bedarf.

 

Bei meiner Mutter ist man immer willkommen. "Wo 4 satt werden, werden auch 5 satt" ist ihre Devise und so saßen wir zu mehrt zusammen und aßen, was auf den Tisch kam. Nicht immer der kulinarische Überflieger (sorry, Mama) aber immer sättigend. Und die Tischgespräche nicht zu vergessen! Ich glaube, jeder, der je mit uns als Familie gegessen hat, kann Gesprächen über Fäkalien, unansehnlichen körperlichen Gebrechen und übelriechechenden Flüssigkeiten bestens gewappnet gegenüberstehen.

 

Nicht zu vergessen die großartige Grußformel am Telefon, welches in den 90er Jahren Einzug in unsere Familie gehalten hat. Traute sich einer der Freunde von mir oder meinem Bruder im besten Teenageralter und ohne Rücksicht auf die Tages- bzw. Nachtzeit nach 21.00 Uhr abends bei uns anzurufen, wurde man erst noch freundlich begrüßt. Wollte man dann mit Tochter oder  Sohn sprechen, wurde man gern mit den Worten "ich bin doch nicht das Fräulein von der Post" weitergereicht.

 

Ein weiterer Running-Gag, den manch einer meiner Mutter verziehen hat, ist die Tatsache, dass man durch die Wohnung nicht mit Schuhen laufen durfte. Wer das tat, musste die Küche wischen. Nie hätte ich gedacht, dass meine Mutter es wirklich durchzieht, meinen allerersten Freund auf die Knie zu zwingen und seinen Einstand in die Familie auf unserem Küchenboden zu erleben. Der junge Mann lief nie wieder auf Schuhen durch unsere elterliche Wohnung.

 

Mutti oder Mama, Mutsch oder Muttern - wie auch immer, du bist mein Stern! Ich finde, du hast es richtig gemacht mit uns Kindern, wir sind gut geraten, oder?

 

Ich danke dir für all deine Zuneigung, Geduld und die Fähigkeit, Liebe und Strenge zu vereinen.

Vor allem aber freue ich mich, dass noch immer dieses kleine süße Mädchen in dir ruht. Das kleine lockige Ding, dass du warst, als du den Besen geschwungen hast und die Küche deiner Mutter gefegt hast.

 

Alles Liebe zum Geburtstag, Maminka!

 

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Mo

15

Okt

2012

...kleines Wesen, sei willkommen

Wie habe ich mich gefreut an dem Tag als mein Bruder mir verkündete, er wird wahrscheinlich Vater. Tränen liefen über mein Gesicht, Tränen der Freude, des Glücks. Tränen der Angst und des Zögerns, der Unsicherheit und des Wissens, dass sich nun alles verändern wird.

 

Mein großer Bruder wird Vater. Der, der nicht recht wusste, wo sein Platz in dieser Welt ist. Mein Bruder, das schwarze Schaf. Mein Bruder, mit dem ich durch mehr Hoch's und Tief's gegangen bin als mit irgendeinem anderen Menschen. Mein Bruder, mit dem ich mich so oft stritt, dem ich vergab und verzieh. Mein Bruder, den ich liebe und achte und ehre.

 

Am 10. Februar hielt die moderne Technik Einzug in unser beiden Leben. 10.000km wurden überwunden durch Glasfaserkabel unter dem Meer und die Geschwisterliebe im Herzen. "Kann sein, dass du Tante wirst..." funkelten mich die Worte an, die den emotionalen Wasserfall zum Überlaufen brachten. Und seitdem? Er schwankt zwischen Vorfreude und Bange, zwischen Angst, alles richtig zu machen und Stolz, zwischen Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

Die Frau an seiner Seite macht mich als Schwester stolz. So anders, als all die Mädels zuvor. Großartig, eine richtige Berliner Göre, mit großer Klappe und ebenso großem Herz. Eine, die sich nicht den Modediktaten beugt und oder mit ihrer Meinung hinter dem Berg hält. Eine, die ich ins Herz geschlossen habe und die meinem Bruder die Meinung geigt, wenn er es braucht. An die er sich anlehnen kann in schwachen Momenten und die ihm den Kopf wäscht - für ein besseres "Er"-selbst.

Und nun das - ein kleines Wesen. Mein Neffe.

 

Ich bin Tante, mehrfache sogar, durch angeheirate Geschwister.  Eine Patchwork-Tante sozusagen. Ich bin zweifache Patentante und alle die Kinder in meinem Leben liebe ich heiß und innig. Sie sind großartig, alle auf ihre Weise und machen mich stolz, wenn sie mit ihren klugen Kinderfragen meine Welt auf den Kopf stellen, meine Argumentationen auf Herz und Nieren prüfen und dann beschliessen, dass trotz aller Logik meine Argumente doof sind. Einfach so, weil die Kinderwelt eben anders aussieht.

 

Kleines Wesen, sei willkommen. Ich bin stolz auf dich - stolz auf das, was du aus meinem Bruder gemacht hast. Einen, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Aus einem, der sein Leben NIE ändern wollte, hast du einen weichen Kerl gemacht, der bereit ist, für dich da zu sein. Der reden kann über seine Gefühle. Kleines Wesen, ich bin froh, dass es dich gibt.

 

Kleines Wesen, du hast einen Platz in meinem Herzen - weil du du bist und schon, als du noch ein kleiner Zellklumpen und nicht viel größer als eine Erdbeere warst, das Leben meines Bruders (und natürlich seiner Freundin) auf den Kopf gestellt hast. Auch, wenn sie nie nach deiner Pfeife tanzen (wollen), so werden sie es in dem Moment, in dem du sie das erste Mal anlächelst, tun. Sei willkommen - tanze und verzaubere uns. Sei groß und stark und laut und wunderbar!!!

 

Und jetzt komm endlich aus'm Bauch raus, du kleiner Racker und zeige dich!

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Do

11

Okt

2012

Darf man einen Lieblingsobdachlosen haben?

Darf man einen Lieblingsobdachlosen haben? Die einen sagen so, die anderen so. Manche sagen gar nichts. Hast du einen?

Wie mondän ist das? Wie weltlich? Fast ein wenig mittelalterlich. Ich für meinen Teil habe einen. Und meine Freundin Sabine hatte auch einen bevorzugten Obdachlosen. Und Marylin auch. Ihrer hiess "mein kleiner Freund". Was macht einen Obdachlosen zum Lieblingsobdachlosen? Und ist das politisch korrekt?

Seien wir mal ehrlich - zu uns und der Welt. Es gibt Menschen, die berühren uns. Unsere Seele, die bringen etwas zum Schwingen. Mein Lieblingsobdachloser heisst Francois. Woher ich das weiss? Nun, ich habe gefragt, als ich ihm das letzte Mal etwas Geld inseinen abgewetzten Pappbecher warf. Er ist halb-blind und sieht herunter gekommen aus. Wie viele Versuche ich schon gemacht habe, um ihm zu helfen, um ihn zu retten, kann ich gar nicht sagen. Es gibt wenig Obdachlosenheime in Kapstadt und wir haben zweimal versucht, ihn in einem unterzubekommen. Mit viel Überredungskunst haben wir einen Platz für ihn bekommen und wären bereit gewesen, für seine Matratze und seinen Platz in diesem Heim zu bezahlen. Aber er büchst immer wieder aus. Er ist ein Kind der Strasse, seit Jahrzehnten lebt er unter der afrikanischen Sonne, schläft unter dem Kreuz des Südens. Was macht ihn nun aber zu MEINEM Obdachlosen? Er lässt sich nicht beugen. Er lässt sich nicht brechen. Er lebt lieber auf der Strasse anstatt sich helfen zu lassen. Das kann man Sturheit nennen oder als Dummheit bezeichnen. Man kann es aber auch als Stolz sehen und als Freiheitsliebend.

Er hat sich in mein Herz geschlichen, als ich ihn an einem Bankgebäude stehen sah. Sofort kam mir das Lied in den Sinn "Streets of London" und Tränen schossen mir in die Augen. Wie er da so stand, blind, vor sich hinwiegend, mit schmutzigen Händen und verdreckten Klamotten, musste ich an seine Geschichte denken, die wir mit ihm erlebt haben. Mein Herz quoll über mit Liebe und Traurigkeit, mit Respekt und Wehmut. Ich konnte nur summen und heulen - und ihm etwas Geld in seinen Becher werfen und seinen Stolz akzeptieren. Und vor allem respektieren.

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Fr

31

Aug

2012

Heute vor 15 Jahren...

...lag ich auf einer Couch. Sie war hässlich, rot-orange, hatte zwei komische Seitenteile, die man "Kopfstützen" nannte und war unbequem wie nix. Eine klassische Schlafcouch, "modern und jugendlich" wie man sie in jedem Möbelladen dieser Stadt finden wird.

 

Ich war nicht allein, nein, weit gefehlt, ich war in Begleitung einer reizenden Frau. Okay, sie war eine angehende Frau, so wie ich vor 15 Jahren, aber wir hatten Rundungen wo sie hingehörten und Pickel, wo keine hingehörten. Wir trugen Gesichtsmasken, nicht um uns zu verstecken, sondern um die Pickel loszuwerden. In unserer Welt standen uns die Türen offen und alles lag vor uns - kunterbunt und unverbraucht, die Zukunft war die unsere. An diesem Sonntag, es muss ein Sonntag gewesen sein, denn sonst hätten meine Eltern niemals erlaubt, dass eine Freundin bei mir übernachtet, an diesem Sonntag vor 15 Jahren endete unsere Naivität und wir erkannten, dass die Endlichkeit ein Gesicht hat. Eines mit Rehaugen und blonden Locken, mit Perlenkette und einem Unschuldslächeln.

Lady Di ist umgekommen und mit ihr ein Stück unserer Unerschrockenheit.

 

15 Jahre später kann ich mich nicht mehr an den Schlafanzug erinnern, wohl aber an die Laufleiste, die das Bild des Frühstücksfernsehens unterbrach. Ich kann mich nicht an meine damalige Haarfarbe erinnern, aber daran, dass in Berlin-Weissensee die Sonne schien. Die Sonne schien auf der anderen Strassenseite und das war schon Prenzlauer Berg. Es schien also die Sonne in Prenzlauer Berg und in Weissensee war blauer Himmel.

 

Seitdem sind viele Menschen gestorben, kurz danach Mutter Theresa, wo war ich da? Keine Ahnung. Ich erinnere mich nur noch an die Verwunderung, dass kurz nacheinander zwei so bedeutende Frauen gestorben waren - und vermutlich ist meine Verwunderung dann eingestürzt, weil es an der Tür geklingelt hat, weil ich abgeholt worden bin. Vieles aus diesem Sommer ist verschwommen, aber an Jule, an Jule erinnere ich mich. Die Eine. Die Beste.

 

Und 15 Jahre danach? Sie ist wieder da oder immer noch da. Wieder aufgetaucht und nie weggegangen. Mir geht es mit meiner besten Freundin so wie mit meiner ersten großen Liebe - trotz Trennungen oder Streit, trotz räumlicher oder emotionaler Entfernung, sie wohnt in mir, immer noch und immer wieder.

 

Ich habe viele andere tolle Frauen kennengelernt, anders an mich rangelassen, ich habe Freundschaften geknüpft, die wieder zerbrachen, ich habe Bande geknotet, die bis heute halten. Ich habe Freundinnen, die mich intensiver berühren als Jule, die weniger energieraubend sind, aber auch weniger lebendig als sie. Ich habe wenige enge Freundinnen, und doch liebe ich sie alle,  jede auf ihre Weise, jede, für das, was sie für mich ist.

 

Denke ich jedoch 15 Jahre zurück, dann ist sie da, die eine und ich bin froh, dass es sie gibt. Noch immer. Wieder.

Denn in ihr lebt ein Teil meiner Pubertät, ein Teil meiner Kindheit, ein Teil meiner Jugend. Würde sie gehen, wäre dieser Teil verloren.

 

Schön, dass es dich gibt.

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So

26

Aug

2012

Zeitvertreib

Au Mann. Die ganze Woche vogelfrei. Kein Mann im Haus, ein paar Handwerker ab und an zu versorgen. Spätschichten. Das hiess: ausschlafen. Und dann? Ich hoffte auf die Muse, die mich manchmal in solchen Augenblicken küsste. Ich hoffte auf ein kleines bisschen Kreativität. Und was war? Nichts. Leere. Gähnende Leere in meinem Kopf, meine Finger kreisten ziellos über der Tastatur, ohne etwas sinnvolles zustande zu bringen. Nicht mal auf dem Roller oder in der Sauna, wo mir sonst immer etwas einfiel, kamen die Gedanken zu mir. Als ob auch meine Muse Sommerferien machte.

Okay, dachte ich mir. Normalerweise hilft da das Lesen anderer Literatur. Ich probierte es mit Onlinepublikationen. Ich versuchte es mit Büchern, so richtigen, auf Papier und so. Ich versuchte es mit Klatschzeitschriften. Aber Befriedigung wollte sich nicht einstellen.

Nach einigen Stunden gepflegten Langweilens fielen mir dann die vielen amerikanischen Serien ein, die noch auf meiner Festplatte auf ihren großen Auftritt warteten und ich gab mich einer hin. 22 Folgen "Revenge", das, was früher "Reich&Schön" bediente. Ich schaute zu den unmöglichsten Zeiten und wollte gar nicht recht aus dem Bett. Ich plante meinen Tag und liess meine Gedanken um die fiesen Racheakte von Emily Thornton kreisen. Ich überlegte hin und her, ob ich sein wollte wie sie (nein, wollte ich nicht). Ich wollte keine fiese biestige Schlange sein, die sich mit jedem prügelt und falsche Gefühle vortäuscht. Und auch, wenn ich die Bleistiftröcke, die schwingenden Locken und die Fähigkeit, auf schwindelerregend hohen Absätzen über Marmorböden zu schweben und dabei nicht verkniffen zu schauen, beschloss ich am Ende meines Serienmarathons, dass ich mit meinem wilden Haar, den roten Backen und meinen Chucks besser aufgehoben war.

Nach diesem Marathon an schlechter, aber packender Energie hatte ich ein schlechtes Gewissen all den Minuten gegenüber, die sinnlos verbracht an mir vorrüber geschlichen waren.Warum denn nur?

Ich dachte an all die Tage und Nachmittage, die man im Teenageralter wirklich ohne Sinn und Verstand einfach vertändelt hat. Wo man nichts gemacht ausser "abhängen". Wo man einfach mit anderen Menschen zusammen war, meistens ebenfalls Teenagern, die ausser abhängen nichts weiter im Sinn hatten. Wo war sie hin, die Fähigkeit, Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen? Wo kam er her, der Drang, jede Minute des Tages füllen zu müssen? Ich für meinen Teil habe mich in dieser letzten Woche viele viele Minuten gepflegt gelangweilt und dem Müßiggang hingegeben. Und wisst ihr was? Das tut nicht weh und ist nicht schlimm. Und sinnvoll verbrachte Minuten bekommen einen neuen Sinn.

Und siehe da, die Muse ist aus dem Sommerurlaub zurück...

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So

19

Aug

2012

Kinder, wie die Zeit vergeht...

Alter, wie jung bist du eigentlich? Junge, wie alt bist du?

Dass ich dir erst 3x wirklich an deinem Geburtstag gratuliert habe - heisst das, du bist erst 3? In meiner Welt hast du kein Alter. In meiner Welt bist du gewachsen, erwachsen geworden - aber gealtert? Gealtert bist du nicht.

Auch an dir sind die 17 Jahre, die wir uns mittlerweile kennen, nicht spurlos vorrüber gegangen. Du bist ein Teil meiner Jugend und ich erinnere mich, wie du im Sommer 1996 den Arm um meine Schulter legtest und die Tränen meines Liebeskummers weglächelst. Ganz leise sagst: Die Zeit heilt Wunder. Und ich fand ich doof und wundervoll zugleich.

Wir waren alle heimlich (oder offen) in dich verliebt, doch du, du hast dich von deinem Herzen leiten lassen und dich für eine entschieden, die dich berührt und dich glücklich macht. Jeden Tag aufs Neue - bis heute. Dass ich deine Trauzeugin sein durfte und ihr mich zur Patin eurer Kids erklärt habt, rechne ich euch hoch an.

Du bist nicht laut und nicht leise, du bist groß und großartig. Um deine Bücherwand beneide ich dich jedesmal aufs Neue - und so unkompliziert wie mir dir, war ich noch nie mit einem Mann befreundet. Du machst dir nix aus Äusserlichkeiten und siehst das Gute im Menschen und einem jeden in die Seele.

Mein Freund, ich hoffe, du hattest einen fabelhaften Tag. Ich werde ihn wiedr vergessen, deinen Geburtstag - oder auch nicht. Ich hab dich lieb, so lieb.

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Mi

15

Aug

2012

Du, es ist Zeit...

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen,
es muss nur Kraft gewinnen
und endlich ist es groß.

Gerhard Schöne.

 

Wann immer in meinem Leben etwas passiert, was mich potentiell aus der Bahn werfen könnte, dann fange ich an, Kinderlieder zu singen. Plötzlich fallen mir all die Texte wieder ein, die sonst so oft verschütt' geglaubt waren. Melodien kommen zurück, an die ich schon längst nicht mehr glaubte.

So geht es mir heute. Die Nachricht von der schweren Krankheit des Vaters meines Freundes erreichte uns vor Monaten. Und jetzt wird es ernst, jetzt packt Vaddern zusammen, sortiert seine Habseligkeiten hier auf Erden und macht sich von dannen. Mein Freund packt Koffer und es ist eine Reise gegen die Zeit. Jede Minute zählt und wir sind in Anspannung und Zuversicht, gefangen zwischen Hoffnung und dem Wunsch, dass es Vaddern gut geht. So oder so.

Hilflosigkeit breitet sich aus und Traurigkeit. Ich denke an meine Mutter, die in ihre geliebte Mutter vor Jahren schon begraben hat und meine Großmutter wohnt noch immer in unser aller Herzen. Ich denke an unseren Großvater, der vor 2 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Ich denke an den Vater einer Freundin, der viel zu jung von uns gegangen ist - auch vor Jahren schon. Doch die Traurigkeit bleibt, der Verlust, das Gefühl, dass dieser Mensch fehlt. Der Platz im Herzen wird nicht neu besetzt und es kann noch soviel Gras über diesen Stuhl wachsen - der Platz wird immer frei sein für unseren Vater, unsere Mutter, für den Großvater oder die geliebte Omi.

 

Alles ist auf eine fatale Weise so oder anders. - Janosch, "Wörterbuch der Lebenskunst-Griffe"

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So

12

Aug

2012

Zeit geschenkt

Mein erster Blog. Ach du Schande.

Was schreibt man denn, so öffentlich?

Stimmt man darüber ab?

Ist das wie Tagebuchschreiben, nur eben öffentlich?

Mache ich einen Seelenstriptease?

Unglaublich.

Werden Leute das lesen?

Und wenn ja, wer?

Kennen die mich?

Mögen die mich?

Bin ich eine Rampensau, weil ich anfange zu schreiben?

Wie oft muss ich denn das Ganze hier aktualisieren?

Und was, wenn keiner liest?

Bin ich verrückt?

Muss ich mich schützen? Meine Familie, mein Privatleben?

Habe ich noch Geld in der Tasche, um mir auf dem Weg zur Arbeit was zu Essen zu kaufen?

Was gäbe ich für mehr Zeit. Mehr Zeit am Tag, mehr Tage in der Woche. Und diese Zeit müsste man dann sinnvoll nutzen. Man darf nichts langweiliges machen wie Wäsche zusammenlegen oder etwas Nützliches wie Abwaschen. Die neu gewonnene Zeit würde man nutzen für all die Dinge, die immer unerledigt bleiben und vermutlich auch geblieben wären - wäre da nicht die neu gewonnene Zeit. Schreibe ich also einen Zeitblog? Schenke ich jedem, der meine Worte liest, Zeit? Eine Minute Lächeln, fünf Minuten warmes Gefühl im Bauch, einen zauberhaften Gedanken, den man nach Belieben weiterspinnen kann? Das ist es, was ich möchte. Gedanken schenken. Und ein kleines bisschen die Welt verändern. Für diese fünf Minuten. Man wird ja wohl noch Träumen dürfen...

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