Ich hab die Haare schön...

Oh Mann, heute beim Friseur musste ich daran denken, wie ich mir das erste Mal die Haare hab professionell schneiden lassen. Ich war so mutig, es war überhaupt der mutigste Sommer meines Lebens. Vielleicht muss ich dazu ein wenig ausholen. Im Sommer 2000 kaufte ich viele Tickets für den Dresdner Musiksommer und pendelte oft zwischen Berlin und Dresden. Auf einer dieser Fahrten traf ich auf einen dicken Texaner, Tom sein Name. Tom war sehr glücklich, jemanden zu treffen, der a) jung war und b) Englisch sprach und c) sein Englisch verstand. B und C waren offensichtlich im Jahr 2000 nicht weit verbreitet…

Jedenfalls lud er mich ein, sollte mir einmal die deutsche Decke auf den Kopf fallen, zu ihm nach Texas zu kommen. Im Anfall eines Mutes tat ich das auch ein Jahr später – alles, was ich von diesem Kerl hatte, waren seine Adresse und eine Telefonnummer, eine vage Erinnerung an sein Gesicht und die Hoffnung, dass ich nicht einem Triebtäter auf den Leim gegangen bin. Es stellte sich heraus, dass Tom kein Triebtäter, sondern ein ganz hervorragender Gastgeber und vor allem Unterhalter war und wir verbrachten einen super Sommer miteinander, in dem ich lernte, dass Männer und Frauen befreundet sein können, ohne Hintergedanken und ohne, dass etwas sexuelles passiert.

Na jedenfalls stellte Tom mich allen möglichen (und unmöglichen) Freunden vor, unter anderem einem Friseur. Dem statteten wir einen Besuch ab – und ich betrat das wohl schönste Frisierstudio, was ich bisher gesehen hatte und auch danach sehen sollte. In seinem Haus hatte der Friseur eine Art Blumenladen eingerichtet. Selten habe ich eine Innendekoration mit so viel Liebe zum Detail gesehen wie in diesem, von außen völlig unscheinbaren, Haus. Der Raum, in dem er meinen Locken zu Leibe rücken wollte, war ein kleines, feines an Berliner Altbau erinnerndes Zimmer mit Stuck, Barock gerahmten Spiegeln, wilden Kronleuchtern und aus den 20ern stammenden Frisierutensilien. Warum ich mich heute so an diese Begebenheit erinnere, liegt daran, dass ich mich bis aufs Messer blamiert hatte, weil mein Vokabular nicht für diese Alltagssituation ausreichte.

Ich wollte einen stufigen Schnitt und statt „Layers“ (Schichten) bestellte ich beim ihm „Stairs“ (Treppenstufen). Nachdem wir uns darüber hätten wegschmeißen können vor Lachen, erklärte ich ihm, dass er mir bitte des Handtuch fest am Hals schließen sollte, damit auf meinen „BH“ (also ausgesprochen Be-Äitsch) keine Haare kommen. Er schaute mich fragend an und meinte dann: „You don‘t want to have any hairs on your bra?“ Das die Texaner die doppelte Verneinung lieben wurde mir an diesem Tag schlagartig bewusst, aber ich lernte eben auch innerhalb von 5 Minuten gleich 2 neue Vokabeln und muss nun bei jedem Friseurbesuch daran denken, wie ich mich vor meinem ersten professionellen Friseur in diesem Traumhaus blamiert hatte…

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Frank J. (Dienstag, 18 März 2014 02:45)

    Na sach ma zu der Erkenntnis hättest du aber auch schon nen Sommer eher kommen können. :-D
    Liebe Grüße aus dem trüben Norden
    F.