Berlin - Alexanderplatz

Warum ich mich an diesen einen Abend in Berlin erinnere, weiß ich auch nicht. Du bist so viel mehr für mich, mein Zuhause, meine Heimat, du bist mir die engste Freundin, die ich habe und hatte. Mir ist nichts peinlich, ich kann dich alles fragen, zu jeder Tag- und Nachtzeit. In der „Grey’s Anatomie“-Sprache wärest du meine Person. Die eine! Die einzige!

Und doch erinnere ich mich so lebhaft an diesen einen Abend mit dir. Wir haben uns beide „rausgebrezelt“, das haben wir doch sonst nie gemacht? Ich kann dir nicht sagen, welche Jahreszeit es war, ich würde vermuten, es war Herbst, sonst hätten wir nicht diese drastischen Maßnahmen ergriffen. Wir stehen also auf dem Bahnhof „Alexanderplatz“ und sehen gut aus. Ich muss kotzen (warum eigentlich? Kann mich nicht mehr erinnern.) Irgendwie beschließen wir, dass Ausgehen eine schlechte Idee ist und wir lieber zu dir nach Hause gehen du es uns dort gemütlich machen. Dort angekommen, macht uns dein Vater Heiße Schokolade und wir schauen irgend einen Mädchenfilm und futtern Milchschokolade mit Knusperflakes. Und schnattern bis zum Morgengrauen.

So bist du für mich. Abhängen, gemütlich sein, Familie, zu Hause sein. Wir können auch anders, wir können auch schick, aber wir müssen nicht. Wir müssen uns nichts vormachen und finden uns am besten mit Jogginghosen mit ausgebeulten Knien und Lockenwicklern, GALA-lesend auf deiner Couch, deine Tochter passt auf meine auf und stellt sicher, dass es uns an nichts fehlt.

Heute musste ich auch an den Sommer in Italien denken. Andrea Bocelli bis zum Abwinken und dein Lachen und deine langen braunen Haare habe ich ihm Ohr und im Kopf. Dieses goldene Licht und dein fröhliches Lachen! Bis dahin hattest du mir nie Tränen gezeigt und ich habe mir damals gewünscht, dass wir uns so nahe kommen, dass ich auch diese Seite von dir kennenlernen darf. Mit dir ist das Leben nicht prätentiös, nicht glamourös, es ist, was es ist. Prall, voll, laut und lachend, wunderbar und eine Aneinanderreihung von schönen Momenten. „Ein Potpourri der Emotionen“ würde man im Fachjargon sagen – und genau das ist es, was ich an dir so mag!

Als ich eure Trauzeugin sein durfte, fühlte ich mich geehrt und ich glaube, ich habe noch nie ein Paar so strahlen sehen, wie euch! Im Kreise eurer Liebsten – und das waren nur 12 Leute! Wie wunderbar und konsequent, wie traumhaft schön und einfach, wie liebevoll und mit Herzblut dieser Tag gestaltet war. Wenn ich mal heirate, dann so! Und dass ich eine so wichtige Rolle spielen konnte, hat mich geehrt und gefreut und war vielleicht irgendwie selbstverständlich und doch nicht ein bisschen vorhersehbar!

Ach du, mein Mensch, meine Person. In Jogginghose und Plüschpantoffeln schreibe ich diese Zeilen, denke an dich und bin dir dabei so nah.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0