Zellteilung - Ich hab' getanzt heut' Nacht

So, gestern auf der Piste.

Heute? Kopfschmerzen. Durst. Ich bin müde – fühle mich wieder wie zu den Zeiten, als mein Wurm noch gaaaanz klein war und auch nachts alle 3 Stunden gefüttert werden wollte. Oder unterhalten. Oder Windeln gewechselt. Egal, Hauptsache Muttern schläft nicht aus.

Ich habe zwei Gläser Schampus getrunken und zu jedem Glas einen halben Liter Wasser. Ich habe eine Flasche Wasser im Auto geleert – sowohl auf dem Hin-, als auch auf dem Rückweg. Ich habe vorschriftsmäßig einen Ausweis dabei gehabt (den keiner sehn wollte) und bin vor Mitternacht nach Haus zurückgekehrt. Weil ich Angst hatte, dass ich mich zurück in ein Aschenputtel verwandeln würde und mein Auto zum Kürbis wird?

Nein.

Weil ich das Gefühl hatte, nicht dazu zugehören.

Und das lag nicht daran, dass ich Mutter bin. Oder underdressed war (war ich nicht, mit meinen hohen Hacken und meiner langärmeligen, aber durchsichtigen Bluse hatte ich zwar mehr an, als die meisten Mädels des Abends). Oder nichts getrunken hatte (was nicht stimmte, immerhin schwirrten die 2 Gläser Schampus ordentlich in meinem Kopf herum).

Der Grund, warum ich mich nicht zugehörig fühlte, liegt wohl eher darin, dass ich mich dem Partyvolk nicht zugehörig fühle. Junge, langhaarige, langbeinige Blondinen, die mit der Kreditkarte ihres Vaters wedeln. Junge Kerle, nur wenig älter als die Mädchen, die mit den Autoschlüsseln namhafter Markenwagen wedeln. Und ich mittendrin. In Klamotten, in denen ich schon vor Jahren Kerlen den Kopf verdreht habe. Mit einem Autoschlüssel, dem man sofort ansieht, dass er einen Familienwagen öffnet. Ich sah die Menschen wie durch eine milchige Brille an. Sie hatten kein Interesse an mir, ebenso wenig wie ich an ihnen. Jegliche Möglichkeit zur Unterhaltung wurde aber auch von den lauten Bässen unterbunden, die durch den Club hallten.

Ich konnte mich davon abhalten, alle 5 Minuten auf mein Telefon zu schauen und nach dem Rechten sehen zu wollen. „Die kommen schon ohn uns klar“, schalt mich meine Freundin, doch auch sie lugte immer wieder auf ihr Handy. Leider konnte nicht mal wir beide uns unterhalten, selbst als wir dicht an dicht standen. Die Musik war einfach zu laut. Aber man geht ja nicht zum Quatschen in einen Club. Wir haben also ganz tapfer ein wenig unsere Hintern zum Takt der Clubmusik bewegt – und das hat uns beiden gut gefallen und gut getan. Jedoch mussten wir bald kapitulieren. Die Schuhe waren ungewohnt hoch, wir suchten uns also ein Plätzchen, was etwas stiller war. Die Stühle waren jedoch so tief, dass man mit hohen Schuhen drauf sitzend die Knie hinten den Ohren verknoten konnte. Blieb also nur stehen. Wer aber kann denn auf schwindelerregend hohen Absätzen länger als eine Stunde stehen? Ich jedenfalls nicht und so stahl ich mich nach guten 2 Stunden davon.

In die Arme meines Familienwagens. Ich machte den Fehler und schaltete das Radio an. Bibi Blocksberg flog mir um die Ohren – ich hatte vergessen, die CD auszumachen. Soviel zu „ich vergesse dann mal, dass ich Mutter bin.“

Würde ich es wieder tun? Jederzeit.

 

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