Tauschgeschäfte

"Wann kommt die Zeit, ho ho, in der das Wünschen wieder hilft...?" das sangen die Toten Hosen vor Jahren schon und ich fragte mich oft: "und das Tauschen? Was ist eigentlich aus dem Tauschen geworden?"

 

Früher, viel früher, also als das mit dem Geld noch keine Bedeutung hatte, da war Tauschen groß in Mode und man tauschte, was man gerade hatte. Knöpfe gegen Fische. Alte Schuhe gegen ein Stück Brot. Gebackenes gegen ein Stück Tuch, aus dem man dann etwas nähte, was man wieder eintauschen konnte.

 

Schon zu Kinderzeiten habe ich viel mit meinem Bruder viel getauscht.

Dass diese Täusche meistens ungerecht war und es eher in die Richtung ging, dass er mir etwas wegnahm, kam mir erst spät in den Sinn. In meiner kindlichen Naivität glaubte ich, dass er ruhig etwas von meiner Schokolade haben konnte, ich bekäme später schon was anderes dafür.

Denkste Puppe, falsch gedacht.

Zum Ausgleich frass er gern die Hälfte meines Nuttela-Glases leer. Als Tausch habe ich dann irgendwann die Schuld auf ihn geschoben, als ich heimlich die Streuselmeines Geburtstagskuchens genascht habe und ihm die Schuld gegeben hab. Er bekam die Prügel, ich heulte wie ein Schlosshund und seitdem tauschte ich mit ihm nicht mehr.

 

In meiner Teenagerzeit tauschte ich große Münzen gegen kleine Münzen, lief damit zum öffentlichen Münzfernsprecher ans Ende der Strasse und rief meinen ersten Freund an.

Mir Freunden im Ferienlager tauschte ich Adresse und wir danach tauschten wir Briefe aus.

In späteren Jahren hatte meine sehr kreative Freundin Anne mir viele Briefe  und Karten geschickt, auf denen selbstgeschriebene Gedichte standen. Als Tauschangebot wollte sie meinen Freund. Nach zähen Verhandlungen habe ich ihn an sie abgetreten. Die Karten habe ich noch heute, der Freund ist aus ihrem Leben verschwunden. War das nun fair?

 

Später buk ich dann kleinere Brötchen und lernte das Tauschen von einer, die sich damit auskannte: Swoppy genannt - zu deutsch hiesse das "Tauschi", aber das ist wirklich zu bescheuert.

Swoppy arbeitete mit mir ein einem Call Center im Schichtdienst. Wochenenden, Feiertage, Abendstunden.

Sie tauschte ihre freien Tage, arbeitete tagelang hintereinander und flog dann zu ihrem Liebsten. Der unheimlichste Tausch von Swoppy war der 7-Ecken-Tausch. Erst tauschte sie mit mir einen freien Tag gegen eine echt unverschämte Schicht. Arbeiten bis 3 Uhr morgens.  Nun gut, ich bekam dafür einen freien Tag an einer Vorführung meines Lieblingsmusicals "Chicago". Swoppy bot dann meinen freien Tag jemand anders an und arbeitete nun wieder an dem Tag, an dem sie durch mich frei hatte. Dann tauschte sie diesen Tag wieder und hatte wieder frei und tauschte ihn wieder und musste wieder arbeiten...dieses Spiel kann man lange so weiterführen. Das Ende vom Lied war, dass alle 7 Leute, die an diesem Tauschgeschäft beteiligt waren, an diesem einen Abend bis 3 Uhr morgens gearbeitet haben, obwohl ursprünglich nur 3 Personen für die Schicht eingeplant waren.

Wenn man Swoppys Plan einmal verstanden hatte, hatte auch wirklich alles seine Richtigkeit.

Irgendwann war Swoppy dann das Tauschen von Schichten zu langweilig und wir starteten mit dem Tausch von Gegenständen. Wir tauschten Stiftkappen und Lunchboxen, Kleidungsstücke und Musiktipps. Bevor Swoppy mein Leben verliess, tauschten wir ihr Auto gegen meine Wohnung.

Jetzt tauschen wir ab und an E-Mails und liebe Gedanken.

 

Ich tausche noch immer gern, obwohl die Natur meiner Tauschgeschäfte sich gewandelt hat. Ich tausche meinen Süßkram gegen Rettungsringe, die bei anderen auftreten.

Blumen gegen ein Lächeln.

Ich tausche Gefälligkeiten gegen Gefälligkeiten.

Musiktipps gegen schöne Erinnerungen.

All das könnte man auch verbuchen unter "Geben ist Seeliger denn Nehmen" - aber nichts ist schöner als das Gefühl zu haben, für seine Gabe auch etwas bekommen zu haben.Und sei es eben ein Lächeln.

 

Und du? Gibst du noch oder tauschst du schon?

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