Wenn Mutti früh zur Arbeit geht...

...dann bleibe ich zu Haus. Ich bind' mir eine Schürze um und feg die Stube aus."

 

Dies ist ein Kinderlied, was ich gern als kleines blondgelocktes Geschöpf vor mich hin geträllert habe, wenn ich zur Hausarbeit verdonnert wurde. Bei uns war das gerecht aufgeteilt: jeder macht, was er kann. Ich fegte, mein Bruder wusch ab, Mutter hat gekocht und Vater brachte das Geld nach Hause. Nicht immer fand ich das fair...

 

...und heute?

 

Heute ist Mutters Geburtstag, der 60. wohlgemerkt. "Ein stolzes Alter" denkt so mancher - und hat auch Recht. Das sind viele Jahre, in denen Tränen fliesen konnten, Sorgenfalten entstehen, Träume zerplatzen. Bei meiner Mutter ist das anders. In ihren 60 Jahren hat sie das Leben gelebt, voll und ganz, immer ehrlich zu sich selbst und dadurch auch für alle anderen. Mutter hat gesagt, wo die Grenzen sind und diese nie verschoben. Als Kinder wussten wir immer, woran wir sind, wann es Ärger geben würde und wann mit einer einfachen Schimpftirade zu rechnen war.

 

Heute, aus meinen Kinderschuhen entwachsen, finde ich Mutters Verhalten fair.

 

Sie lacht - und wenn sie lacht aus voller Kehle, mit vollem Herzen, mit vollem Körpereinsatz. Wenn Muttern irgendwo ist, dann ist sie da. Sie ist präsent und anwesend, mit Haut und Haar. Sie hält alles zusammen und hat uns Kinder ganz viel Selbstständigkeit auf den Weg gegeben. Doch wenn einer hinfällt und schreit, ist sie wieder da und tröstet, wo Worte von Nöten sind, und umarmt, wo es keiner Worte bedarf.

 

Bei meiner Mutter ist man immer willkommen. "Wo 4 satt werden, werden auch 5 satt" ist ihre Devise und so saßen wir zu mehrt zusammen und aßen, was auf den Tisch kam. Nicht immer der kulinarische Überflieger (sorry, Mama) aber immer sättigend. Und die Tischgespräche nicht zu vergessen! Ich glaube, jeder, der je mit uns als Familie gegessen hat, kann Gesprächen über Fäkalien, unansehnlichen körperlichen Gebrechen und übelriechechenden Flüssigkeiten bestens gewappnet gegenüberstehen.

 

Nicht zu vergessen die großartige Grußformel am Telefon, welches in den 90er Jahren Einzug in unsere Familie gehalten hat. Traute sich einer der Freunde von mir oder meinem Bruder im besten Teenageralter und ohne Rücksicht auf die Tages- bzw. Nachtzeit nach 21.00 Uhr abends bei uns anzurufen, wurde man erst noch freundlich begrüßt. Wollte man dann mit Tochter oder  Sohn sprechen, wurde man gern mit den Worten "ich bin doch nicht das Fräulein von der Post" weitergereicht.

 

Ein weiterer Running-Gag, den manch einer meiner Mutter verziehen hat, ist die Tatsache, dass man durch die Wohnung nicht mit Schuhen laufen durfte. Wer das tat, musste die Küche wischen. Nie hätte ich gedacht, dass meine Mutter es wirklich durchzieht, meinen allerersten Freund auf die Knie zu zwingen und seinen Einstand in die Familie auf unserem Küchenboden zu erleben. Der junge Mann lief nie wieder auf Schuhen durch unsere elterliche Wohnung.

 

Mutti oder Mama, Mutsch oder Muttern - wie auch immer, du bist mein Stern! Ich finde, du hast es richtig gemacht mit uns Kindern, wir sind gut geraten, oder?

 

Ich danke dir für all deine Zuneigung, Geduld und die Fähigkeit, Liebe und Strenge zu vereinen.

Vor allem aber freue ich mich, dass noch immer dieses kleine süße Mädchen in dir ruht. Das kleine lockige Ding, dass du warst, als du den Besen geschwungen hast und die Küche deiner Mutter gefegt hast.

 

Alles Liebe zum Geburtstag, Maminka!

 

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