Heute vor 15 Jahren...

...lag ich auf einer Couch. Sie war hässlich, rot-orange, hatte zwei komische Seitenteile, die man "Kopfstützen" nannte und war unbequem wie nix. Eine klassische Schlafcouch, "modern und jugendlich" wie man sie in jedem Möbelladen dieser Stadt finden wird.

 

Ich war nicht allein, nein, weit gefehlt, ich war in Begleitung einer reizenden Frau. Okay, sie war eine angehende Frau, so wie ich vor 15 Jahren, aber wir hatten Rundungen wo sie hingehörten und Pickel, wo keine hingehörten. Wir trugen Gesichtsmasken, nicht um uns zu verstecken, sondern um die Pickel loszuwerden. In unserer Welt standen uns die Türen offen und alles lag vor uns - kunterbunt und unverbraucht, die Zukunft war die unsere. An diesem Sonntag, es muss ein Sonntag gewesen sein, denn sonst hätten meine Eltern niemals erlaubt, dass eine Freundin bei mir übernachtet, an diesem Sonntag vor 15 Jahren endete unsere Naivität und wir erkannten, dass die Endlichkeit ein Gesicht hat. Eines mit Rehaugen und blonden Locken, mit Perlenkette und einem Unschuldslächeln.

Lady Di ist umgekommen und mit ihr ein Stück unserer Unerschrockenheit.

 

15 Jahre später kann ich mich nicht mehr an den Schlafanzug erinnern, wohl aber an die Laufleiste, die das Bild des Frühstücksfernsehens unterbrach. Ich kann mich nicht an meine damalige Haarfarbe erinnern, aber daran, dass in Berlin-Weissensee die Sonne schien. Die Sonne schien auf der anderen Strassenseite und das war schon Prenzlauer Berg. Es schien also die Sonne in Prenzlauer Berg und in Weissensee war blauer Himmel.

 

Seitdem sind viele Menschen gestorben, kurz danach Mutter Theresa, wo war ich da? Keine Ahnung. Ich erinnere mich nur noch an die Verwunderung, dass kurz nacheinander zwei so bedeutende Frauen gestorben waren - und vermutlich ist meine Verwunderung dann eingestürzt, weil es an der Tür geklingelt hat, weil ich abgeholt worden bin. Vieles aus diesem Sommer ist verschwommen, aber an Jule, an Jule erinnere ich mich. Die Eine. Die Beste.

 

Und 15 Jahre danach? Sie ist wieder da oder immer noch da. Wieder aufgetaucht und nie weggegangen. Mir geht es mit meiner besten Freundin so wie mit meiner ersten großen Liebe - trotz Trennungen oder Streit, trotz räumlicher oder emotionaler Entfernung, sie wohnt in mir, immer noch und immer wieder.

 

Ich habe viele andere tolle Frauen kennengelernt, anders an mich rangelassen, ich habe Freundschaften geknüpft, die wieder zerbrachen, ich habe Bande geknotet, die bis heute halten. Ich habe Freundinnen, die mich intensiver berühren als Jule, die weniger energieraubend sind, aber auch weniger lebendig als sie. Ich habe wenige enge Freundinnen, und doch liebe ich sie alle,  jede auf ihre Weise, jede, für das, was sie für mich ist.

 

Denke ich jedoch 15 Jahre zurück, dann ist sie da, die eine und ich bin froh, dass es sie gibt. Noch immer. Wieder.

Denn in ihr lebt ein Teil meiner Pubertät, ein Teil meiner Kindheit, ein Teil meiner Jugend. Würde sie gehen, wäre dieser Teil verloren.

 

Schön, dass es dich gibt.

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Kommentare: 1
  • #1

    FrauSimon (Sonntag, 02 September 2012 15:23)

    Werde ich jetzt auch zum "Blogger", wenn ich hier ein Kommentar abgebe? Egal. Also hier ist es: Was für eine schöne Hommage an Lady Di,...und besonders an all diese Freundinnen da draußen, die hoffentlich wissen, dass sie gemeint sind und die einem immer diese Schmetterlinge im Bauch geben..