Zeitvertreib

Au Mann. Die ganze Woche vogelfrei. Kein Mann im Haus, ein paar Handwerker ab und an zu versorgen. Spätschichten. Das hiess: ausschlafen. Und dann? Ich hoffte auf die Muse, die mich manchmal in solchen Augenblicken küsste. Ich hoffte auf ein kleines bisschen Kreativität. Und was war? Nichts. Leere. Gähnende Leere in meinem Kopf, meine Finger kreisten ziellos über der Tastatur, ohne etwas sinnvolles zustande zu bringen. Nicht mal auf dem Roller oder in der Sauna, wo mir sonst immer etwas einfiel, kamen die Gedanken zu mir. Als ob auch meine Muse Sommerferien machte.

Okay, dachte ich mir. Normalerweise hilft da das Lesen anderer Literatur. Ich probierte es mit Onlinepublikationen. Ich versuchte es mit Büchern, so richtigen, auf Papier und so. Ich versuchte es mit Klatschzeitschriften. Aber Befriedigung wollte sich nicht einstellen.

Nach einigen Stunden gepflegten Langweilens fielen mir dann die vielen amerikanischen Serien ein, die noch auf meiner Festplatte auf ihren großen Auftritt warteten und ich gab mich einer hin. 22 Folgen "Revenge", das, was früher "Reich&Schön" bediente. Ich schaute zu den unmöglichsten Zeiten und wollte gar nicht recht aus dem Bett. Ich plante meinen Tag und liess meine Gedanken um die fiesen Racheakte von Emily Thornton kreisen. Ich überlegte hin und her, ob ich sein wollte wie sie (nein, wollte ich nicht). Ich wollte keine fiese biestige Schlange sein, die sich mit jedem prügelt und falsche Gefühle vortäuscht. Und auch, wenn ich die Bleistiftröcke, die schwingenden Locken und die Fähigkeit, auf schwindelerregend hohen Absätzen über Marmorböden zu schweben und dabei nicht verkniffen zu schauen, beschloss ich am Ende meines Serienmarathons, dass ich mit meinem wilden Haar, den roten Backen und meinen Chucks besser aufgehoben war.

Nach diesem Marathon an schlechter, aber packender Energie hatte ich ein schlechtes Gewissen all den Minuten gegenüber, die sinnlos verbracht an mir vorrüber geschlichen waren.Warum denn nur?

Ich dachte an all die Tage und Nachmittage, die man im Teenageralter wirklich ohne Sinn und Verstand einfach vertändelt hat. Wo man nichts gemacht ausser "abhängen". Wo man einfach mit anderen Menschen zusammen war, meistens ebenfalls Teenagern, die ausser abhängen nichts weiter im Sinn hatten. Wo war sie hin, die Fähigkeit, Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen? Wo kam er her, der Drang, jede Minute des Tages füllen zu müssen? Ich für meinen Teil habe mich in dieser letzten Woche viele viele Minuten gepflegt gelangweilt und dem Müßiggang hingegeben. Und wisst ihr was? Das tut nicht weh und ist nicht schlimm. Und sinnvoll verbrachte Minuten bekommen einen neuen Sinn.

Und siehe da, die Muse ist aus dem Sommerurlaub zurück...

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