Du, es ist Zeit...

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen,
es muss nur Kraft gewinnen
und endlich ist es groß.

Gerhard Schöne.

 

Wann immer in meinem Leben etwas passiert, was mich potentiell aus der Bahn werfen könnte, dann fange ich an, Kinderlieder zu singen. Plötzlich fallen mir all die Texte wieder ein, die sonst so oft verschütt' geglaubt waren. Melodien kommen zurück, an die ich schon längst nicht mehr glaubte.

So geht es mir heute. Die Nachricht von der schweren Krankheit des Vaters meines Freundes erreichte uns vor Monaten. Und jetzt wird es ernst, jetzt packt Vaddern zusammen, sortiert seine Habseligkeiten hier auf Erden und macht sich von dannen. Mein Freund packt Koffer und es ist eine Reise gegen die Zeit. Jede Minute zählt und wir sind in Anspannung und Zuversicht, gefangen zwischen Hoffnung und dem Wunsch, dass es Vaddern gut geht. So oder so.

Hilflosigkeit breitet sich aus und Traurigkeit. Ich denke an meine Mutter, die in ihre geliebte Mutter vor Jahren schon begraben hat und meine Großmutter wohnt noch immer in unser aller Herzen. Ich denke an unseren Großvater, der vor 2 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Ich denke an den Vater einer Freundin, der viel zu jung von uns gegangen ist - auch vor Jahren schon. Doch die Traurigkeit bleibt, der Verlust, das Gefühl, dass dieser Mensch fehlt. Der Platz im Herzen wird nicht neu besetzt und es kann noch soviel Gras über diesen Stuhl wachsen - der Platz wird immer frei sein für unseren Vater, unsere Mutter, für den Großvater oder die geliebte Omi.

 

Alles ist auf eine fatale Weise so oder anders. - Janosch, "Wörterbuch der Lebenskunst-Griffe"

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